Mars - Beobachtung
Mit freiem Auge fällt uns zunächst der für Planeten typische, ruhige Schein des Mars auf - er funkelt nicht. Gleichzeitig bemerken wir seine charakteristische rötliche Tönung - kein anderer Planet ist so farbintensiv. Noch lebhafter wirkt die Kolorierung im Fernglas, sofern wir es leicht unscharf stellen: Bei flächig anmutenden Objekten tut sich unser Auge beim Farbsehen einfach leichter als bei punktförmigen.
Der Mars taucht im Frühling 2026 am Morgenhimmel auf und verschiebt seine Aufgänge dann langsam hin zu früheren Stunden. Gleichzeitig erscheint auch die Sonne immer früher.
Anfang Juli 2026 durchschreitet Mars das Goldene Tor, gebildet aus den Offenen Sternhaufen Hyaden und Plejaden. Am 3. und 4. Juli schiebt er sich außerdem am lichtschwachen Planeten Uranus vorbei. Allerdings geschieht dies alles sehr knapp über dem Nordosthorizont. Für Uranus benötigt man außerdem ein Fernglas.
Mars (li.) nahe der Plejaden (re.) am 30.3.2019
Etwas leichter zu beobachten ist die Passage am Offenen Sternhaufen M35 am 15. August 2026 (Abstand grob ein halbes Grad). Am Morgen des 26. September 2026 bildet Mars eine exakte Linie mit Castor und Pollux, den beiden Hauptsternen der Zwillinge. Besonders interessant ist der scheinbare Marsch des Mars durch den Offenen Sternhaufen M44 (Praesepe) im Krebs: Am 11. und 12. Oktober, am besten beobachtbar gegen 4 oder 5 Uhr MESZ.
Mars fotografiert durchs Teleskop (10.2.2025)
Ende Oktober geht der Mars endlich vor Mitternacht auf - was zunächst allerdings primär an der Umstellung auf Normalzeit liegt. Er tritt ins Sternbild Löwe über und leistet dort dem gleißenden Jupiter Gesellschaft. Zunächst bilden die beiden Planeten mit dem Stern Regulus fast eine Linie.
Regulus ist etwas schwächer als der Mars. Er gehört zur Spektralklasse B und erscheint uns seiner hohen Oberflächentemperatur von gut 12.000° C wegen ein ganz klein wenig bläulich. Umso auffälliger sollte der Farbkontrast zum rötlichen Mars ausfallen! Unser Auge tut sich bei flächigen Objekten leichter, Farben zu erkennen. Daherr peilen wir die Gestirne im Fernglas an und stellen dieses absichtlich unscharf.
Mars im visuellen Licht (li.), im IR-Methanband und in Kombination beider (re.)
Zu Weihnachten 2026 erreicht Mars die berühmte Galaxienregion unterm Bauch des Löwen: M95 und M96 passiert er in weniger als 1 Grad Abstand - vielleicht ein lohnendes Motiv für Himmelsfotografen.
Mars dreht dann seine Marschrichtung um und läuft am 25./26. Jänner 2027 zwischen M96 und M105 hindurch. Auch in den folgenden Nächten passen M95, M96, M105 und der Planet bequem ins Bildfeld eines 500 mm Objektivs, befestigt an einer DSLR. Um die Galaxien zu sehen, braucht man freilich ein Teleskop und einen Beobachtungsplatz fern der Stadt.
Mars bleibt im Löwen. Am 25. Februar 2027 passiert er Eta Leonis, den Stern an der Brust des Raubtiers. Ein paar Tage zuvor erreicht er den geringsten Erdabstand und am 19.2.2027 die Opposition.
In diesen Tagen erscheint er Teleskopbesitzern am größten. Da die Bahnellipse des Mars deutlich von der Kreisform abweicht, fallen die Marsoppositionen unterschiedlich günstig aus. Diesmal trennen uns mindestens 101 Mio. km vom roten Planeten. Schlimmer kann eine Marsopposition kaum sein.
Die Asi 678MC hielt Mars am 8" SC fest: Originalgröße und 3fach gedrizzelt
Wie bei Planeten üblich, funkeln Mars und Jupiter nicht. Von ihnen erreicht uns, salopp gesagt, kein Lichtfaden - sondern ein ganzes Lichtbündel. Das übersteht atmosphärische Turbulenzen, Auslöser der Szintillation, wesentlich besser.
Wir nützen den hellen, ruhigen Schein, um den Farbton von Mars und Jupiter zu vergleichen. Die rötliche Tönung des Mars wird von Eisenoxiden im Marsstaub verantwortet. Generell geht man dabei von Hämatit (bei uns auch Blutstein genannt) aus. Dieses Eisenoxid soll sich während der letzten Jahrmilliarden unter trockenen Bedingungen gebildet haben.
Doch einer neueren Studie zufolge entspräche das Reflexionsspektrum Ferrihydrit, gemischt mit Basalt: Dieses Eisen-Oxidhydroxid soll unter feuchten Bedingungen und damit in der Frühphase der Marsgeschichte entstanden sein. Falls das stimmt, zeugte der Rotton von einer zeitlich deutlich ferneren Marsepoche.
Die rötliche Farbe des Mars stammt von Eisenoxiden - Foto: NASA
Nach erfolgter Opposition hält Mars weiter auf den Jupiter zu, erreicht ihn aber nicht. Mitte Mai findet man den Planeten nochmals unweit des Löwensterns Regulus.
Wie beim Mars üblich, versucht dieser das Ende seiner Sichtbarkeitsperiode hinaus zu zögern. Es scheint, als wolle er vor der Sonne weglaufen. Sie wird ihn am Firmament trotzdem einholen. Wir sehen Mars jedenfalls noch lange in den Abendstunden. Allerdings nimmt sein Glanz immer mehr ab: Mars versinkt gewissermaßen in Bedeutungslosigkeit. Im Herbst 2027 geht seine Sichtbarkeit zu Ende.
Mars im Fernrohr
Mit einem Fernglas (Vergrößerung typischerweise 7 bis 15fach) wäre es völlig aussichtslos, Details auf Mars sehen zu wollen. Auch Galilei scheiterte mit seinem kaum leistungsfähigerem Rohr an dieser Aufgabe.
Der Durchmesser des Marsscheibchens wächst zur Oppositionszeit diesmal sogar nur auf knapp 13,8 Bogensekunden. Um ihn im Teleskop so groß zu sehen, wie wir den Mond mit freiem Auge erblicken, müssen wir eine Teleskopvergrößerung von 130fach wählen.
Wer ein Fernrohr von mindestens 10 cm Objektivdurchmesser besitzt, wird eine solch hohe Vergrößerung bei besonders ruhiger Luft einsetzen können.
Mit kleineren Teleskopen sollte man sich in puncto Vergrößerung eher zurückhalten. Es sei denn, das Seeing wäre außergewöhnlich.
Im Teleskop erscheint der “rote Planet” ocker, gelbbraun, orange-, lachs- oder rosafarben. Die eingebetteten dunkelgrauen Flecke muten mitunter grünlich an - eine Illusion: In der Umgebung einer dominierenden Farbe gaukelt uns unsere Wahrnehmung die Komplementärfarbe vor. Die dunklen Gebiete sind nicht von Vegetation, sondern von Staubteilchen bis hin zur Sandkorngröße bedeckt. Zu diesen dunklen Gebieten zählen Syrtis Major oder Sinus Meridiani.
Auf den hellen Regionen liegt Feinstaub. Ein besonders helles Gebilde im Süden ist Hellas Planitia - das Einschlagbecken könnte man versehentlich für die Südpolkappe halten.
Der Wind wirbelt den feinen Staub in die dünne Atmosphäre. Er streut das Sonnenlicht und färbt den Marshimmel solcherart rosarot ein. Selbst die eisigen Polkappen strahlen deshalb in sanftem Rosa, wie Marssonden belegten.
Mitunter nehmen Staubstürme gewaltige Ausmaße an, sind dann als gelbliche Flecken zu erkennen. Umspannen sie den gesamten Planeten, verschwinden die sichtbaren Oberflächendetails - eine herbe Enttäuschung für Marsbeobachter. Schaut man dann ohne Teleskop zum Nachthimmel, mag der "rote" Planet selbst dem unbewaffneten Auge eine Spur gelblicher anmuten als sonst.
Links der Mars in Aufnahmegröße, rechts in augenfreundlicher Vergrößerung. Die ist auch bei visueller Beobachtung wichtig.
Der fotografische Vergleich bestätigt: Die Beobachtungsbedingungen waren 2018 problematisch. Die Fotos sind im Kontrast erheblich verstärkt - das Auge hatte noch größere Schwierigkeiten, Details zu erkennen
Da Mars um etwa 40 Minuten langsamer rotiert als die Erde, bleibt der Anblick mehrere Tage lang ähnlich - wenn man stets zur gleichen Uhrzeit beobachtet. Es dauert dann etwa fünf Wochen, bis man die gesamte Oberfläche geschaut hat.
Der Mars besitzt übrigens auch eine vergleichsweise langweilige Seite, auf der es nur wenige Gebiete mit Kontrast zu sehen gibt. Wir sehen diese "fade" Hemisphäre dann, wenn Amazonis-Planita (158 Grad westliche Länge) nahe dem Zentrum der uns zugewandten Marshemisphäre steht.
Beobachten wir Mars zur Oppositionszeit 2027 um Mitternacht, schauen wir leider genau auf diese Seite. Zehn Tage davor bzw. danach sieht Mars um 24 Uhr MEZ wesentlich interessanter aus.
Die langweiligere Seite des Mars (28.12.2024)
Die Kontraste auf dem Marsscheibchen sind übrigens deutlich schwächer als auf Marsfotos bzw. auf den Kartendarstellungen.
Wichtig ist, nicht den Mut zu verlieren. Unsere Wahrnehmung braucht mehrere Minuten Zeit, um mit den ungewohnten Sehbedingungen zurecht zu kommen.
Außerdem sind die Augenblicke ruhiger Luft rar. Man prägt sich dann möglichst viele Details ein und wartet geduldig bis zum nächsten günstigen Moment. Wer versucht, das Gesehene in Zeichnungen festzuhalten, schärft seinen Blick.
Die spannendere Seite des Mars
Zum Oppositionstermin steht die Sonne quasi in unserem Rücken. Weit abseits davon macht sich ein beleuchtungstechnischer Phaseneffekt bemerkbar. Vorher liegt der äußerste westliche (rechte) Rand des Marsscheibchens im Dunkel, nachher der äußerste östliche (linke) Rand.
Um die im Teleskop erkennbaren Oberflächendetails zu identifizieren, empfehlen sich bestimmte PC-Programme. Weitere Beobachtungstipps findet man in astronomischer Beobachtungsliteratur.
Übrigens mag man auch versuchen, einen Blick auf einen oder sogar beide Marsmonde zu erhaschen. Fotografisch fällt das etwas leichter als mit dem Auge am Teleskopokular.
Versuche mit Filtern
Ohne Filter ist mir der Mars im 8-Zöller zu hell. Ich brauche beim Beobachten zumindest einen neutralen Polfilter (Polfilter gibt es auch paarweise, aber zwei kassieren mir hier zu viel Licht). Am liebsten setze ich den Baader Neodymium Mond- und Skyglowfilter ein; er hebt den Kontrast, ohne die natürliche Farbe des Mars allzu stark zu verändern.
Anders Farbfilter: Ein Orange- (z.B. Wratten Nr. 21) oder Rotfilter (z.B. Nr. 23A) steigern den Kontrast der Oberflächendeteils. Rotfilter reduzieren übrigens auch die negativen Auswirkungen der Luftunruhe: Sie stabilisieren das Bild.
Spezialisten halten außerdem Grünfilter (z.B. Nr. 56) und Blaufilter (z.B. Wratten Nr. 80A oder 38A) bereit, um Nebel bzw. Wolken auf dem Mars aufzuspüren. Im Blauen ist die teleskopische Auflösung, nebenbei gesagt, besser als im Roten. Aber nicht jedes Auge tut sich mit einem strengen Blaufilter leicht.
Eingefleischte Marsbeobachter erblicken mit Gelbfiltern lokale Staubstürme und mitunter sogar Veränderungen in der Gestalt oder im Kontrast der Hell-Dunkel-Strukturen.
Weiteres zum Einsatz von Filtern lesen Sie hier.
Das vierteilige Meade Filterset 1,25 Zoll (12, 23A, 58, 80A) beinhaltet Filter, die man zur Beobachtung von Venus, Mars, Jupiter und Saturn einsetzen kann. Alternativ mag man z.B. zu einem sechsteiligen Filterset von Omegon greifen.
Fototipps gefällig?
Um Details auf dem winzigen Marsscheibchen im Bild festzuhalten, muss man mit einer CCD/CMOS-Kamera durch ein möglichst langbrennweitiges Teleskop fotografieren.
Beobachtungsaufgaben
- Können Sie die Färbung des Mars mit freiem Auge erkennen?
- Funkelt er, mit freiem Auge betracht, deutlich weniger als helle Fixsterne?
- Wie würden Sie seine Tönung im Fernglas bzw. im Fernrohr bezeichnen?
- Machen Sie im Teleskop Oberflächenerscheinungen aus?
- Fallen Ihnen dabei neben Dunkelgebieten auch weiße Flecken auf?
- Wie ändert sich der Anblick von Nacht zu Nacht, wie von Woche zu Woche?
- Gelingt es Ihnen, den Anblick zeichnerisch festzuhalten?
Alle Angaben ohne Gewähr!