Merkur - Erforschung
Dass Nikolaus Kopernikus bedauert haben soll, ihn nie zu Gesicht bekommen zu haben, ist vielzitierter Unsinn. Kopernikus reiste jahrelang durch Italien und fand dort sicher Beobachtungsgelegenheiten genug.
Von seiner Wirkstätte im polnischen Frombork aus (Foto unten) hatte er allerdings Schwierigkeiten, Merkurs genaue Position zu vermessen - denn in der Dämmerung fehlten gut sichtbare Anhaltssterne.
Deshalb lieh sich Kopernikus für sein Hauptwerk De Revolutionibus Messungen aus - und zwar jene des Astronomen Bernhard Walther. Über Walthers Rolle in Nürnberg erfahren Sie näheres in meinem Artikel über Regiomontan.
Galileo Galilei richtete sein Fernrohr auf Merkur. Er hoffte, Lichtphasen wie bei der Venus zu sehen. Damit hätte er beweisen können: Auch dieser Planet kreist, ähnlich der Venus, um die Sonne - und nicht um die Erde: So wie von Kopernikus behauptet.
Doch Galilei sah Merkur rund. Die Auflösungskraft seines Teleskops reichte nicht aus, Lichtphasen auf dem kleinen Planetenscheibchen zu zeigen.
Tatsächlich zeigt der Merkur Lichtgestalten wie die Venus (Foto links). Es braucht dazu bloß stärkere Vergrößerungen.
Dem italienischen Jesuiten Giovanni Battista Zupi gelang es 1639 erstmalig, die Lichtphasen des Merkur zu erspähen.
Wirklich kugelrund erleben wir den Planeten nie. Es sei denn, er zieht gerade vor der Sonnenscheibe vorbei. Der italienische Philosoph Giordano Bruno spekulierte bereits über die Möglichkeit derartiger Transits.
Der Schwabe Johannes Kepler berechnete den nächsten Termin hierfür. Solche Merkurtransits, die man nur mit fachgerechtem Schutzfilter beobachten darf, ereignen sich recht selten. Dann blicken wir allerdings auf die gerade unbeleuchtete Seite des Planeten.
Der erste Transit wurde von Pierre Gassendi 1631 beobachtet. Zuletzt war solches im November 2019 möglich. Der nächste Merkurtransit findet leider erst 2032 statt.
Foto links: Merkur vor der Sonne am 9.5. 2016, fotografiert mit entsprechendem Schutzfilter
Details auf Merkurs Oberfläche?
Meines Wissens war es Johann Hieronymus Schröter, der im Jahr 1800 in seinen Hermographischen Fragmenten erstmals von gesichteten Oberflächendetails auf Merkur sprach. Später meinten auch andere Astronomen nach intensiven Studien, Strukturen unterschiedlicher Helligkeit auf dem Planeten nachweisen zu können.
Im späteren 19. Jh. fertigten Giovanni Schiaparelli (Mailand) oder Percival Lowell entsprechende Merkurkarten an.
Foto links: Lowells Mausoleum wurde bei seiner Sternwarte in Flagstaff, Arizona, errichtet)
Der Grieche Eugène Michel Antoniadi legte eine solche Karte 1934 vor: Ihm standen zur Beobachtung die großen Refraktoren des französischen Meudon-Observatoriums (Öffnungen bis zu 82 cm) zur Verfügung.
Mit Amateurmitteln werden wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Oberflächendetails auf Merkur ausmachen.
Ausgedehnte Landschaften fehlen dort weitgehend. Das Antlitz ähnelt am ehesten noch der kleinteilig strukturierten Mondrückseite.
Das zeigte unter anderem auch die NASA-Sonde Messenger: Sie trat im Jahr 2011 sogar in einen Orbit um Merkur ein.
Links: Merkur porträtiert von der Sonde Messenger (Foto: NASA)
Möglichweise ist Merkur gar nicht so geologisch tot, wie er aussieht. Bei der nachträglichen Analyse von Aufnahmen des erwähnten NASA-Orbiters Messenger, entstanden zwischen 2011 und 2015, entdeckten europäische Wissenschaftler rund 402 lange, helle Streifen - sogenannte lineae:
Wie die Forscher der Universität Bern und des Astronomischen Observatoriums von Padua meinen, entstanden diese durch rezente Ausgasungsprozesse aus dem Merkurinneren (Nature, 27.1.2026). Veränderungen solcher Features wurden innerhalb dieses Zeitraums allerdings nicht ausgemacht.
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