Erde - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

Dr. Christian Pinter
Beobachtungstipps
Astronomische
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Erde (?)

Schwere Einschläge auf der Erde beförderten irdisches Material ins All. Es wird teils auf anderen Planeten niedergegangen sein. Einer der 1971 von Mitgliedern der Apollo-14-Mission (hier ein ausführlicher Artikel über diesen Flug) heimgebrachten Steine zeigt chemische Ähnlichkeiten mit irdischen Gesteinen - wie sich erst 2019 herausstellte.
Big Bertha - Foto: NASA
Dieses Objekt, damals "Big Bertha" getauft, wiegt 9 kg und gehört zu den drei größten, die man auf dem Mond einsammelte. Die darin enthaltenen Zirkone sind anders als alle anderen in den Mondproben, aber ähnlich zu jenen in irdischen Gesteinen. Offenbar handelt es sich beim Sample 14321 um einen Erd-Meteoriten, der dank des Apollo-Programms wieder zu seinem eigentlichen Mutterkörper zurückkehrte.
Alan Shepard - Foto NASA/JSC
In Summe holten Apollo-Astronauten 382 kg vom Mond zur Erde. Dank Big Bertha wären 2,4% der Masse irdischen Ursprungs. Entweder sind Erdmeteorite wirklich so häufig auf dem Mond, oder der Fund ist ein unglaublicher Zufall. Dem Apollo-14-Kommandanten Alan Shepard kam der Brocken jedenfalls nicht ungewöhnlich vor.

Er funkte nach Houston: "It appears to be the prevalent rock of the boulders of the area." (prevalent: engl., vorherrschend).
Acasta-Gneis aus Kanada
Big Bertha ist über 4 Milliarden Jahre alt. Wäre der Stein wirklich irdischen Ursprungs, stellte er das älteste unverändert gebliebene Gestein auf Erden dar (von den allermeisten Meteoriten freilich abgesehen).

Zuvor galt der kanadische Acasta-Gneis mit seinen 4,03 Mia. Jahren als Rekorhalter.
Indochinit - ein Tektit
Weitere Erdmeteorite kennt man nicht. Allerdings müssen manche Tektite, die Australite, kurzzeitig bis ins All geschossen sein. Ohne ballistische Weltraumflüge wäre das ausgedehnte Streufeld der australasiatischen Tektite gar nicht zu erklären.
Außerdem zeigen manche Australite Ablationsformen, die offenbar beim Wiedereintritt in dichte Atmosphäreschichten entstanden. Ob die NASA tatsächlich Australite untersuchte, um die Hitzeschilde ihrer Raumkapseln zu formen? Das Victoria Museum in Australien behauptet dies jedenfalls.
Moldavit - ein Tektit
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Von Big Bertha besitzt das Naturhistorische Museum in Wien kein Fragment. Aber Tektite aus den vier anerkannten Streufeldern gibt es dort zu sehen.

Indochinite und Moldavite tauchen auch immer wieder auf Mineralienbörsen auf.
Zentralhügel Steinheims
Auf Erden kennt man etwa 200 Meteoritenkrater. Die nächstgelegenen: das Nördlinger Ries in Bayern (daher stammen die Moldavite), der Steinheim-Krater in Baden-Württemberg und das Kraterfeld von Morasko im polnischen Posen.

Viele weitere zeigt die Karte der (kanadischen) Earth Impact Database. Steht nach "Exposed" ein "N", ist der Krater selbst nicht mehr erkennbar.
Der Blick zum Mond erschließt uns quasi den größten vorstellbaren "Erdmeteoriten". Denn einst krachte ein Protoplanet - Theia genannt - in die junge Erde (Artikel zur Mondentstehung). Dabei wurde irdisches Material ins All befördert. Es ballte sich dort zum Mond zusammen.

Reste der Theia sind im Erdmantel nachweisbar. Der Mond ist also selbst ein Kind der Erde (und Theias).
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