Polarlicht: Funk - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

Dr. Christian Pinter
Beobachtungstipps
Astronomische
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Die Aurora und der Funk (Seite überspringen)
Flares auf der Sonne beeinflussen die Ausbreitung von Kurzwellen auf der Erde: Es kommt zum Mögel-Dellinger-Effekt.

Daher hatte ich bei meiner Reise nach Alta, Norwegen, auch einen Weltempfänger mit
Natürliche Funksignale im VLF-Empfänger

Während der Magnetstürme werden elektromagnetische ULF-Wellen (Ultra Low Frequency; deutsch: Niederfrequenz) sowie VLF-Wellen ("very long frequency", deutsch: Längstwellen) produziert.

Im ULF-Bereich schreibt man ihnen z.B. Signalfrequenzen von 600 Hz bis 1,6 kHz zu. Die Dauer soll hier maximal 1 Sekunde betragen. VLF-Signale besitzen (ganz generell gesprochen) Frequenzen von 3 kHz bis 30 kHz. Womöglich können manche Gegenstände derartige Wellen in Hörschall verwandeln.

Ansonsten bedarf es elektronischer ULF- und VLF-Empfänger. Leider werden diese in der Nähe von Stromleitungen oder Siedlungen von künstlichen elektromagnetischen Quellen gestört.

Außerdem gibt es WebSDR-Adressen, die unter anderem auch solch niedrige Frequenzbereiche abbilden - wie z.B. diese Station in den Niederlanden oder diese in Pennsylvania, USA. Sie müssen dort die gewünschte Frequenz und die Bandbreite eingeben. Dabei wird klar, wie störungsanfällig genannter Frequenzbereich ist.
Weiteres von "Radio Natur"

  • AKR - Auroal Kilometric Radiation

Die Cluster-Satelliten der ESA haben Signale aufgezeichnet, die 3.000 bis 20.000 km über den Polarlichtzonen produziert werden. Sie intensivieren sich während der magnetischen Stürme. Man kann sie auf dieser Seite der ESA hören (Abschnitt "Auroral Star Wars"; wav-Datei herunterladen und dann am PC anklicken).

  • Dawn Chorus

Protonen werden in den Strahlungsgürteln der Erde gefangen und von elektromagnetischen Feldern beschleunigt. Speziell in den Morgenstunden produzieren sie ein Geräusch, das man in Anspielung ans morgendliche Vogelgezwitscher  "Dawn Chorus" taufte.

Man kann es mit ungestörten VLF-Empfängern oder auf dieser Seite der ESA hören (Abschnitt: "Dawn in Space"; wav-Datei herunterladen und dann am PC anklicken).

Der japanische Synthesizer-Künstler Isao Tomita eröffnete 1984 sein Album "Dawn Chorus" und den gleichnamigen ersten Song damit. Das Plattencover zeigte eine Darstellung der Magnetosphäre.

  • Whistlers

Diese Funksignale entstehen wohl durch Blitzschlag (meist von Wolke zu Wolke). Die Frequenzanalyse zeigt: Solche Funkimpulse reisen entlang der geschlossenen magnetischen Feldlinien der Erdmagnetosphäre von der Nord- zur Südhemisphäre oder umgekehrt!

Die Frequenzen liegen zwischen 1 und 30 kHz. Man kann sie mit ungestörten VLF-Empfängern oder auf dieser Seite der ESA hören (Abschnitt: "Atmospheric squeaking"; wav-Datei herunterladen und dann am PC anklicken).
Künstliche Funksignale - verschluckt oder gespiegelt

Signale von Radiosendern oder Funkamateuren werden von Ausbrüchen auf der Sonne gedämpft oder von der Aurora verzerrt.

    • Mögel-Dellinger-Effekt: Die Sonne sorgt für Funkstille

Kurzwellensignale werden an bestimmten Ionisationsschichten innerhalb der Erdatmosphäre gespiegelt. Diese liegen in bis zu 400 km Höhe und erlauben letztlich erst weltweite Funkverbindungen.

Die Röntgenstrahlung solarer Flares führt aber auf der Tagseite der Erde zur plötzlichen Verstärkung der D-Schicht in bloß 70 km Höhe. Sie lässt kurzwellige Radiosignale dann nicht mehr zu den höheren Spiegelschichten vordringen und behindert so deren weitere Ausbreitung. Es wird still im Weltempfänger. Dieser Mögel-Dellinger-Effekt kann eine Viertel- oder auch mehrere Stunden andauern.
    • Aurora-Verbindungen: Funken übers Nordlicht

Funkamateure kommunizieren mitunter über die Aurora. Denn dort werden atmosphärische Atome nicht nur angeregt, sondern verlieren Elektronen mitunter ganz. Diese Ionisation macht die Aurora selbst zu einem Spiegel für Funkwellen.

Amateure, die von Ost nach West oder umgekehrt senden wollen, erzielen so unter Umständen Funkverbindungen im VHF-Bereich - indem sie ihre Antennen nach Norden ausrichten! Das Ganze ist allerdings höchst unstabil, das Signal wird zudem arg verzerrt.

Näheres über solche Aurora-Verbindungen lesen Sie z.B. hier beim Österreichischen Versuchssenderverband.






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