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Jupiters Monde - spezielle Ereignisse - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Dr. Christian Pinter
Astronomische
Beobachtungstipps
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Ereignisse zwischen den Jupitermonden
Immer wieder kommt es aus unserer Perspektive zu einer scheinbaren Begegnung eines Mondes mit einem anderen. Man spricht dann von einer Jupitermond-Konjunktion.

Solche Begegnungen fallen umso enger aus, je genauer die Erde in der (verlängerten) Bahnebene der Monde steht. 2026 und 2027 ist das der Fall. Hier werden Monde einander aus unserer Perspektive sogar gegenseitig bedecken.

Steht die Sonne in der (verlängerten) Bahnebene der Jupitermonde, kommt es zu Mond-Mond-Finsternissen: Der Schatten eines Mondes fällt auf einen anderen. Der betroffene Trabant büßt dann an Glanz ein, was sich ebenfalls im Liebhaber-Teleskop mitverfolgen lässt. Auch das geschieht 2026/27 mehrmals.
Alexander Pikhard (Wiener Arbeitsgemeinschaft für Amateurastronomie, WAA) hat ein höchst anschauliches Youtube-Video dazu erstellt. Darin erklärt er unter anderem die Argelandersche Stufenschätzmethode (im Video ab Minute 33). Ebenfalls aufschlussreich ist die entsprechende Seite der WAA. Die Uhrzeiten sind dort in UT angegeben, wie teilweise auch auf meiner Seite.
Galilei war wiederum der erste

Der erste, der eine enge Begegnung der Monde sah und darüber tatsächlich berichtete, war Galileo Galilei. Er lehrte damals in Padua (Artikel).

Als Galilei am 7.1.1610 erstmals die Jupitermonde in seinem Sehglas erblickte, zählte er drei Lichtpunkte. Tatsächlich waren es vier: Allerdings standen Io und Europa so nahe beisammen, dass sie in Galileis einfachem Sehglas zu einem einzigen Punkt verschmolzen waren (Abstand laut GUIDE: 5 Bogensekunden). Dies konnte der Mathematikprofessor freilich nicht ahnen.

Die folgende Grafik (erstellt mit GUIDE) zeigt oben den Anblick in Galileis Fernrohr und darunter die wirklichen Verhältnisse.
Wie Galilei rasch festhielt, gebe es am Himmel  drei Sterne, die um Jupiter herumwandeln - "wie Merkur und Venus um die Sonne". Mit diesem Satz bekannte sich Galilei erstmalig zum damals noch höchst umstrittenen, nur als reine Hypothese betrachteten Weltbild des Kopernikus!

Erst am 13. Jänner sah Galilei alle vier hellen Monde. Er war nun sicher, ein ganzes Begleiterquartett entdeckt zu haben. Hätte er 1610 ein heutiges Amateurteleskop besessen, wäre er bereits sechs Tage früher zu diesem Befund gelangt!
Sehr enge Jupitermond-Konjunktionen

Es gibt sie immer wieder, doch nur selten außergewöhnlich intim. Stehen zwei Monde sehr eng beisammen, wird deren unterschiedlicher Durchmesser offensichtlicher - zumindest in größeren Amateurteleskopen.

Im besten Fall scheinen zwei Monde dann sogar miteinander zu verschmelzen - obwohl ein geringer Abstand zwischen beiden bleibt.

Dieses scheinbare Verschmelzen geschieht, je nach Teleskopöffnung, mit modernen Amateurfernrohren bei Distanzen von 2 Bogensekunden bzw. 1 Bogensekunde. Ein deutlicher Fortschritt: Bei Galilei reichten 1610 bereits 5 Bogensekunden - siehe oben.

Sind zwei Monde scheinbar verschmolzen, sieht man nur noch einen Lichtpunkt. Der schimmert allerdings mit dem gemeinsamen Licht beider Monde. Er wirkt deshalb heller als jeder der beiden beteiligten Trabenten vor bzw. nach dem Verschmelzen.
Eine enge Konjunktion von Io (5,0 mag) und Ganymed (4,6 mag) würde beispielsweise in einem gemeinsamen Punkt von 4,0 mag Helligkeit resultieren. Weitere kombinierte Mondhelligkeiten finden Sie im Annex.

Bild links: Am 24.12.2026 zieht die Io am Ganymed vorbei. Erstellt mit Guide
Mit dem High Precision Ephemeries Tool (ich besitze noch die lizensierte Vollversion) fand ich etliche Konjunktionen der Jupitermonde in der Beobachtungssaison 2026/27.
Legende:
I:     Io
II:    Europa
III:   Ganymed
IV:   Kallisto
Dist: Distanz der Monde in Bogensekunden
h:    Jupiterhöhe für Wien in Grad (positiv, weil über dem Horizont)
Sonne: Sonnenhöhe für Wien in Grad (negativ, weil unterm Horizont)

Datum      MESZ     Monde  Dist  h    Sonne
08.09.2026 05:24:29 I/III   2'' 17,0  -10,1
09.09.2026 04:35:54 III/IV -1''  9,6  -17,6
16.09.2026 04:10:41 I/II    0''  8,8  -23,0
18.09.2026 05:02:32 II/III -1'' 18,2  -15,9
03.10.2026 04:48:52 I/III  -1'' 23,3  -21,8
05.10.2026 04:55:22 I/II   -1'' 25,4  -21,3
14.10.2026 04:39:23 II/III -1'' 27,3  -26,0
15.10.2026 04:35:24 II/IV   0'' 27,1  -26,9
18.10.2026 02:36:43 I/II    1''  9,1  -44,2

Datum      MEZ      Monde  Dist h     Sonne
25.10.2026 03:52:40 I/II    2'' 35,0  -26,6
31.10.2026 01:40:33 II/III  0'' 16,5  -47,5
01.11.2026 02:45:12 I/III   1'' 27,8  -38,9
01.11.2026 06:07:20 I/II    2'' 54,2   -6,0
06.11.2026 02:42:59 I/II   -2'' 30,2  -40,4
07.11.2026 05:18:06 II/III  0'' 51,8  -15,4
08.11.2026 05:37:07 I/III   1'' 53,6  -12,5
11.11.2026 06:16:28 I/III  -1'' 55,5   -6,9
13.11.2026 05:08:09 I/II   -2'' 52,6  -18,4
30.11.2026 23:18:20 I/II   -2'' 11,0  -63,1
06.12.2026 23:28:32 II/III -0'' 16,4  -64,2
07.12.2026 06:27:17 II/III  1'' 49,5  -10,2
08.12.2026 01:52:27 I/II   -2'' 40,1  -54,3
12.12.2026 02:01:12 I/II   -2'' 43,6  -53,6
12.12.2026 04:49:28 II/IV  -2'' 54,9  -26,6
13.12.2026 00:25:31 II/III  0'' 29,7  -63,9
15.12.2026 04:35:04 I/II   -2'' 54,9  -29,4
15.12.2026 22:32:37 I/II   -2'' 13,0  -60,8
19.12.2026 01:29:50 I/II   -2'' 43,1  -58,5
20.12.2026 05:03:47 II/III -0'' 52,5  -25,1
23.12.2026 01:13:48 I/II   -2'' 43,1  -60,6
24.12.2026 01:56:25 I/III  -1'' 49,0  -55,4
24.12.2026 05:23:36 I/III  -1'' 49,3  -22,2
24.12.2026 22:32:24 I/III  -2'' 19,0  -60,4
25.12.2026 21:40:07 I/II   -2'' 11,0  -53,6
26.12.2026 00:26:51 I/II   -2'' 38,2  -64,4
30.12.2026 03:41:40 I/II   -2'' 55,0  -39,4
06.01.2027 06:01:36 I/II   -2'' 37,2  -16,4
22.02.2027 19:18:49 I/III   2'' 31,7  -19,3
01.03.2027 21:53:44 I/III   2'' 56,0  -40,5
09.03.2027 00:37:03 I/III   1'' 46,8  -46,0
09.03.2027 18:18:02 I/III   1'' 32,9   -5,5
09.03.2027 21:07:41 I/III   1'' 55,4  -32,2
13.03.2027 01:46:09 I/III  -2'' 33,9  -39,9
16.03.2027 03:33:10 I/III   1'' 14,1  -25,5
17.03.2027 01:36:16 I/III   1'' 32,8  -39,2
18.03.2027 03:02:44 I/II   -2'' 17,7  -29,1

Datum      MESZ     Monde  Dist  h    Sonne
04.04.2027 21:19:43 I/II   -2'' 58,5  -18,1
11.04.2027 23:28:49 I/II   -2'' 45,5  -30,2
19.04.2027 01:39:16 I/II   -2'' 20,2  -30,0
23.04.2027 21:26:46 I/II    2'' 54,6  -14,0
30.04.2027 23:39:02 I/II    2'' 32,5  -24,9
01.05.2027 20:43:39 I/III  -1'' 55,6   -6,2
05.05.2027 22:47:36 I/III   1'' 37,7  -19,8
08.05.2027 01:53:13 I/II    2''  6,1  -23,4
08.05.2027 23:33:11 I/III  -1'' 28,5  -22,4
11.05.2027 21:53:58 III/IV -2'' 42,5  -13,0
13.05.2027 01:33:20 I/III   1''  6,3  -22,9
13.05.2027 21:25:28 I/II   -2'' 45,5   -9,2
15.05.2027 22:05:49 II/III -2'' 38,4  -13,4
18.05.2027 21:52:48 II/IV   1'' 38,7  -11,4
20.05.2027 23:41:07 I/II   -2'' 19,8  -20,0
30.05.2027 23:32:55 I/III  -0'' 15,1  -17,8
01.06.2027 21:57:40 I/II    2'' 29,7   -9,6
06.06.2027 21:35:13 I/III  -0'' 30,4   -6,5
01.07.2027 21:28:03 I/III   2'' 16,9   -4,5

Berechnet mit High Precision Ephemeries Tool (lizensierte Vollversion)
Die scheinbaren Distanzen werden hier wohl jeweils von den Mondmittelpunkten aus gemessen. Die Mondscheibchen besitzen aber scheinbare Radien von 0,5 bis 0,8" - siehe Annex.
Winkelabstände von einer gerundeten Bogensekunde (oben orangefarbig hervorgehoben) oder weniger werden somit in einer Bedeckung des erdferneren Mondes durch den erdnäheren münden.


Europa bedeckt Ganymed ringförmig am 20.12.2026
Ein Mond bedeckt einen anderen

Bei ganz extrem engen Konjunktionen bedeckt ein Mond einen anderen aus unserer Perspektive tatsächlich - zumindest teilweise (partiell) und im ganz raren Extremfall sogar komplett (total). Ist der bedeckende Mond kleiner als der bedeckte, kommt es anstatt einer Totalität zu einer ringförmigen Finsternis.

Ein Beobachter auf dem erdferneren Mond würde unseren Planeten hinter dem erdnäheren Mond verschwinden sehen.

Sofern wir Amateurteleskope gängiger Größe benützen, lösen wir die beteiligten Monde nicht auf - vielmehr erblicken wir dann einen einzigen Lichtpunkt. Die Bedeckung äußert sich im Helligkeitsverlauf dieses Punkts.

Ablauf:

  • Zunächst erblicken wir zwei benachbarte Monde mit ihren jeweils individuellen Helligkeiten


  • Während der eigentlichen Bedeckung trägt der bedeckte Mond nur noch teilweise zum gemeinsamen Glanz bei. Die kombinierte Helligkeit sinkt ein wenig - allerdings meist um weniger als eine halbe Größenklasse

  • Ist die eigentliche Bedeckung vorbei, sind die Monde zunächst noch scheinbar miteinander verschmolzen; deren Helligkeiten addieren sich wieder ohne Einschränkung - siehe Annex

  • Sind sie weit genug auseinander gerückt, sehen wir wieder zwei Mondpünktchen mit ihren jeweils eigenen Helligkeiten - diese individuellen Helligkeiten sind im Annex aufgelistet

Die Helligkeit steigt während des Verschmelzens also an, um gegen die Mitte der Bedeckung einen Dämpfer zu erleiden. Für kleine Fernrohre eignen sich die Ereignisse mit deutlicherem Lichtrückgang (möglichst 0,5 mag) besser.

Leistungsfähigere Teleskope ab vielleicht 20 cm Öffnung mögen ein anderes Bild präsentieren: Der Anblick der beiden Monde ähnelt in raren Momenten ruhiger Luft darin zunächst einer winzigen "8", deren Ober- und Unterteil unterschiedlich klein geraten sind. Dann beginnen sich diese zu überschneiden.
Hochauflösende Cams (Pixelgröße z.B. 2 Mikrometer) sollten sich an Teleskopen von 8 Zoll und mehr leichter tun, die oben genannte "8" einzufangen. Eine extreme Herausforderung wäre es, eine ringförmige Bedeckung im großen Amateurinstrument abzulichten.

Io bedeckt den Ganymed partiell - hier am 9.3.2027

Die kostenlose Software OCCULT berechnet Jupitermond-Bedeckungen in UT: Für MEZ ist 1, für MESZ sind 2 Stunden zu addieren.
Beim Umrechnen auf MEZ oder MESZ kann es auch zu Datumssprüngen kommen.

Legende:

Ph: "A" steht für ringförmig, "P" für partiell
dMag: Lichtrückgang in Größenklassen
Dur: Dauer in Sekunden
Alt: Jupiterhöhe in Grad für Wien
Year  M  D  h  m  s  Event Type     Ph   Dur dMag  %Ill   Sep  PA   MinD Alt
2026  9  9  2 34 54  (III) occ (IV)  P   479  0.0  96.7 207.4 289  0.891   9
2026  9 16  2 10 32  (I) occ (II)    P   238  0.6  57.4  53.6 110  0.098   8
2026 10 14  2 39 35  (III) occ (II)  P    78  0.0  99.7  64.3 290  0.979  27
2026 10 15  2 33 15  (II) occ (IV)   A  1578  0.2  83.2 156.5 111  0.156  26
2026 10 31  0 40 18  (II) occ (III)  P   575  0.3  79.0 158.7 292  0.349  16
2026 11  1  1 44 50  (I) occ (III)   P   314  0.2  86.6  73.5 112  0.628  27
2026 11  4  2 26 11  (III) occ (I)   P   292  0.3  79.1  56.9 112  0.595  36
2026 11  7  4 17 54  (II) occ (III)  P   598  0.2  82.4 165.5 292  0.457  52
2026 11  8  4 36 47  (I) occ (III)   P   172  0.0  97.8  63.3 112  0.995  54
2026 11 11  5 16 34  (III) occ (I)   P   230  0.1  92.8  70.1 112  0.894  56
2026 12  6 22 29 13  (II) occ (III)  P  4382  0.2  80.0  92.1 113  0.426  16
2026 12  7  5 26  7  (II) occ (III)  P  3326  0.2  86.9 160.4 113  0.638  50
2026 12 12 23 25 12  (II) occ (III)  A  1373  0.3  77.2 187.2 292  0.187  29
2026 12 20  4  3  9  (II) occ (III)  A  2061  0.3  77.2 182.3 292  0.113  53
2026 12 24  4 19 19  (III) occ (I)   P  1313  0.0  97.5  77.5 112  1.165  50
2027  3  9 20  9 28  (I) occ (III)   P  1475  0.0  97.5 117.6 111  1.184  56
2027  3 16  2 33 26  (I) occ (III)   P   442  0.1  94.5 127.6 290  1.036  14
2027  3 17  0 36 36  (I) occ (III)   P   297  0.0  99.3 127.4 111  1.278  33
2027  5  1 18 43 54  (III) occ (I)   P   267  0.2  86.8  69.9 110  0.785  56
2027  5  8 21 33 27  (III) occ (I)   P   295  0.2  85.6  79.4 110  0.744  29
2027  5 30 21 29 39  (III) occ (I)   P  1449  0.4  71.9  36.3 291  0.451  16
2027  6  6 19 32 24  (III) occ (I)   P  1312  0.4  70.7  22.2 110  0.422  31

Occult's copyright notice:
"Users of Occult are free to disseminate predictions or results generated by Occult in a non-commercial manner, provided it is in a context of encouraging (directly or indirectly) observations of occultation phenomena. All I ask is that wherever possible there is an acknowledgement that the data was generated by Occult."
Occult: Beispiel für eine Bedeckung im Jupitermond-System
Ein Mond im Schatten eines anderen

Mitunter fällt der Halb- bzw. sogar der Kernschatten eines Mondes auf einen anderen: Dann gibt es eine teilweise (partielle) oder im seltenen Ausnahmefall sogar eine komplette (totale) Sonnenfinsternis auf dem betroffenen Mond - also eine Verfinsterung.

Zur Oppositionszeit des Jupiter stehen die beteiligten Monde dabei eng beisammen. Außerhalb dieses Termins können sie durchaus viele Bogensekunden von einander getrennt sein. Der verfinsterte Mond zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich.
Am 31.12.2026 wirft Ganymed seinen Schatten auf die Io. Grafik erstellt mit GUIDE: In Wirklichkeit ist der hier grau dargestellte Schatten dunkel

Der in den Schatten geratene Mond bleibt für kleinere Teleskope unter grob 20 cm Öffnung allerdings nur ein Lichtpünktchen.
Bei einer partiellen Verfinsterung macht sich der Schatten somit bloß in Form eines mehr oder weniger deutlichen Lichtrückgangs bemerkbar.

Ablauf:

  • Der betroffene Mond scheint mit seiner charakteristischen Helligkeit - siehe Annex

  • Sein Glanz nimmt zunächst langsam im Halbschatten, dann rascher im Kernschatten ab

  • Der Glanz erreicht ein relatives Minimum.

  • Danach nimmt er im Kernschatten rascher, dann im Halbschatten langsamer wieder zu

  • Schließlich glimmt der Mond wieder mit vertrauter Helligkeit - siehe Annex

Anders als bei Bedeckungen kommt es bei Verfinsterungen zu keiner scheinbaren Verschmelzung von zwei Monden.

Im Vergleich mit den anderen Monden fallen Helligkeitsabnahmen des betroffenen Trabanten um 1 mag recht deutlich auf. Darunter wird es zunehmend schwieriger; unter 0,5 mag Lichtrückgang beißen sich ungeübte Beobachter wohl leicht die Zähne aus. Wirklich geübte Betrachter schaffen wohl 0,2 bis 0,1 mag.

Übrigens: Nur bei einer höchst seltenen totalen Verfinsterung verschwindet das Mondpünktchen völlig.

Sehr große Amateurteleskope mögen ein etwas anderes Bild zeichnen: Sie bilden den betroffenen Mond als winziges Scheibchen ab - besonders ruhige Luft immer vorausgesetzt. Das Scheibchen erleidet im Kernschatten eine Art "Delle", die sich womöglich erahnen lässt.

Fotografisch ist diese "Delle" bereits mit Teleskopen ab etwa 20 cm Öffnung dokumentierbar - sofern man hochauflösende Cams (Pixelgröße z.B. um 2 Mikrometer) in deren Fokus rückt und sowohl das Stacking- als auch das Bildbearbeitungsprogramm mitspielen.

Bei einer ringförmigen Finsternis wird quasi ein winziges "Loch" ins eh schon sehr kleine Mondscheibchen gestanzt.

Ringförmige Finsternis: Europas Schatten fällt auf die Io - 12.10.2026. Grafik erstellt mit GUIDE. Auch hier ist der Kernschatten in Wirklichkeit nicht grau, sondern schwarz
Die kostenlose Software OCCULT von Dave Herald (Australien) berechnet Jupitermond-Verfinsterungen in UT. Für MEZ ist 1 Stunde, für MESZ sind 2 Stunden zu addieren. Dabei kann es auch zu Datumssprüngen kommen.
Legende:

dMag: Lichtrückgang in Größenklassen
Dur: Dauer in Sekunden
Alt: Jupiterhöhe in Grad für Wien
Year  M  D  h  m  s  Event Type     Ph   Dur dMag  %Ill   Sep  PA   MinD Alt
2026  9  3  3 18  4  (II) ecl (I)    E   206  0.0  96.4  51.6 108  0.810  13
2026  9 23  3 16  5  (I) ecl (II)    P   283  0.9  43.9  36.2 111  0.347  23
2026 10  4  1 27 49  (IV) ecl (III)  E   839  0.1  90.3 193.5 110  1.072  10
2026 10  5  1 22 25  (II) ecl (I)    A   345  1.1  35.8  67.1 110  0.096  10
2026 10 12  3 37 59  (II) ecl (I)    A   359  1.2  33.6  71.2 111  0.053  35
2026 10 13  3 16 55  (I) ecl (IV)    E   754  0.1  90.0 165.8 290  0.854  33
2026 10 21  2 40  8  (III) ecl (II)  E   351  0.1  88.7  93.6 290  0.968  31
2026 10 29  2 53  2  (III) ecl (IV)  A  1038  1.5  25.7 294.8 291  0.027  37
2026 11  5 23 38 31  (II) ecl (I)    P   363  0.3  77.2  88.2 112  0.533   9
2026 11  7  0  4 57  (II) ecl (III)  E   471  0.0  97.5 196.7 292  0.999  14
2026 11  8  1  2  1  (IV) ecl (II)   E   514  0.7  51.7  55.5 290  0.510  24
2026 11  8  1 37 51  (I) ecl (III)   E   180  0.0 100.0  34.1 113  1.351  30
2026 11 13  1 58 22  (II) ecl (I)    P   346  0.1  88.0  93.7 112  0.658  36
2026 11 14  3 33 30  (II) ecl (III)  E   547  0.1  95.1 204.6 292  0.909  50
2026 11 15  4 29  0  (I) ecl (III)   E   251  0.0  99.4  23.0 114  1.229  54
2026 11 18  5  9 15  (III) ecl (I)   E   140  0.0 100.0  43.4 113  1.393  56
2026 11 20  4 19 55  (II) ecl (I)    E   315  0.0  95.8  99.4 112  0.777  55
2026 11 24 23 15 33  (IV) ecl (I)    A   518  1.7  21.9  76.9 292  0.107  16
2026 12  2  0  5 33  (II) ecl (IV)   E   342  0.0 100.0 266.2 291  1.380  29
2026 12  2 21 47 28  (III) ecl (II)  P   425  1.2  31.9  61.3 290  0.461   7
2026 12  3 22 28  1  (II) ecl (IV)   E  1184  0.5  63.4  93.4 114  0.121  14
2026 12 10  0 57 46  (III) ecl (II)  E   393  0.5  61.6  53.0 289  0.696  42
2026 12 11  4  3 26  (IV) ecl (I)    E   397  0.1  88.9  27.4 114  0.966  55
2026 12 19 22 24  4  (II) ecl (III)  P   974  0.1  93.2 229.7 292  0.853  24
2026 12 27  2 55 18  (II) ecl (III)  E  1098  0.0  97.3 226.8 292  0.967  55
2026 12 31  0  0 56  (III) ecl (I)   P  1262  2.1  14.6 125.8 112  0.321  46
2026 12 31 21 45  8  (III) ecl (I)   P   760  5.4   0.7 125.9 292  0.053  26
2027  1  8  1  0 47  (III) ecl (I)   P   611  2.7   8.2 122.9 292  0.221  55
2027  1 11  2 12 37  (I) ecl (III)   A   398  0.6  57.4  65.8 290  0.188  55
2027  1 11 23 29  1  (II) ecl (III)  P   957  0.2  82.3 178.4 113  0.623  48
2027  1 15  4  3 21  (III) ecl (I)   P   519  1.5  25.9 115.3 292  0.404  41
2027  1 18  4 55 28  (I) ecl (III)   A   398  0.5  63.8  74.5 290  0.368  31
2027  1 19  3 21 11  (II) ecl (III)  E   665  0.0  96.2 185.7 112  0.934  44
2027  1 31 18 33 23  (IV) ecl (III)  E   521  0.0  99.4 252.7 291  1.531  17
2027  2 19 18  8 14  (III) ecl (I)   E    97  0.0 100.0  38.0 289  1.434  27
2027  2 22 19  4 26  (I) ecl (III)   E   392  0.0  96.5 102.2 290  1.033  39
2027  3  1 22 11 41  (I) ecl (III)   E   423  0.0  97.9 103.5 290  1.087  58
2027  3  2 18  6 59  (I) ecl (III)   P  5428  0.1  94.3 133.9 111  0.950  35
2027  3  9  1 36 26  (I) ecl (III)   E   530  0.0  98.2 101.7 290  1.093  29
Occult: Beispiel für eine Finsternis im Jupitermond-System
Beobachtungsaufgaben
  • Fallen die unterschiedlichen Größen der Monde bei engen Begegnungen auf?
  • Scheinen die Monde bei besonders engen Begegnungen zu verschmelzen?
  • Erkennen Sie eine "8" in größeren Teleskopen?
  • Bemerken Sie den Lichtrückgang während einer Verfinsterung?
  • Können Sie den Lichtrückgang mit der oben erwähnten Argelanderschen Stufenschätzmethode messen und dokumentieren? Alexander Pikhard erklärt sie in einem Youtube-Video der WAA (ab Minute 33)
Fototipps
Der Lichtrückgang eines Mondes bzw. der von zwei verschmolzenen Monden lässt sich fotometrisch sogar mit kleinen Teleskopen und einfachen Cams erfassen. Testen Sie Ihre Ausrüstung an der Kallisto, dem schwächsten der vier Monde. Fängt Ihre Cam die Kallisto ein, können Sie auch andere Monde sicher abbilden. Falls Schwierigkeiten auftreten, aktivieren Sie Zwei- oder Vierfach-Binning.

Halten Sie die Helligkeit des Mondpünktchens alle paar Minuten fest und messen Sie die Fotos dann mit passender Software wie IRIS oder Siril aus. Die unbeteiligten Monde dienen als Eich- bzw. Vergleichsmarken. Am Ende entsteht eine Lichtkurve, die das Ereignis dokumentiert - und das mit bemerkenswerter Genauigkeit. Näheres dazu hier.

Besitzer größerer Teleskope und hochauflösender Planetenkameras werden versuchen, die Scheibchengestalt des betroffenen Mondes bzw. der betreffenden Monde herauszuarbeiten. Das funktioniert ähnlich wie bei der Planetenfotografie, ist wegen der Winzigkeit der Monde aber noch wesentlich herausfordernder. Stacking-Programme wie Autostakkert tun sich offenbar schwer, auch wenn sie mit einer praktischen Drizzle-Funktion aufwarten. Die geringere Flächenhelligkeit der Monde erschwert die Sache zusätzlich. Binning wäre hier komplett fehl am Platz, weil es die Auflösungskraft der Cam halbiert oder viertelt.
Vorherberechnung und Darstellung mit Programmen
Occult
Das kostenlose Occult (Australien) berechnet unter anderem die Termine von engen Begegnungen, Bedeckungen und Verfinsterungen der Jupitermonde. Es stellt diese auch grafisch dar (Satellite phenomena / MUTUAL Eclipses & occultations). (Website und Download)

IMCCE
Die französische Website berechnet u.a. die Termine aller Konjunktionen und die gegenseitigen Verfinsterungen. Unter Epoch gibt man ein Anfangsdatum sowie eine Zeitspanne in Tagen ein, beim Observation Place können Wiener einfach den Observatory Code 045 einsetzen. s (") nennt den Abstand beider Monde, delta f (%) den Lichtrückgang bei Bedeckungen.

WinJUPOS
Das kostenlose Programm stellt u.a. die Jupitermondpositionen (Programm / Himmelskörper / Jupiter / Werkzeuge / Ephemeridenberechnung) dar - enge Begegnungen und gegenseitige Verfinsterungen inklusive. Sie müssen die Termine bereits kennen. Zoomen Sie heraus, um die Monde zu sehen (Website und Download).

Guide 9.0
Das kommerzielle, aber preisgünstige Planetariumsprogramm Guide (USA) zeigt unter anderem auch die aktuelle Position der Jupitermonde an - enge Begegnungen und gegenseitige Verfinsterungen inklusive. Sie müssen die Termine bereits kennen.

High Precision Ephemeris Tool
Berechnet eine Vielzahl von Erscheinungen im Sonnensystem und stellt die Resultate in Form von Excel-Tabellen dar - darunter auch Jupitermond-Konjunktionen (Website und Download)

Annex

Mondbezeichnungen (römische Ziffern)

          Io         Europa     Ganymed   Kallisto
          I          II         III       IV  

Monddurchmesser in Opposition (Bogensekunden)

          Io         Europa     Ganymed   Kallisto
          1,15       0,99       1,67      1,52  


Mondhelligkeiten einzeln in Opposition (mag)

          Io         Europa     Ganymed   Kallisto
          5,0        5,3        4,6       5,7  

Mondhelligkeiten in Opposition kombiniert (mag)

           Io        Europa     Ganymed   Kallisto
Io                   4,4        4,0       4,5
Europa     4,4                  4,1       4,7
Ganymed    4,0       4,1                  4,3
Kallisto   4,5       4,7        4,3
Anmerkungen:

  • Die römischen Ziffern stammen von Galilei. Man verwendet sie noch heute. Der Italiener kümmerte sich nicht um lyrische Mondeigennamen, sondern sprach pauschal von den Mediceischen Sternen

  • Die scheinbaren Mondscheibchendurchmesser lieferte die Software GUIDE: Sie gelten streng für die Jupiteropposition Mitte Februar 2027. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand dazu reduziert sich der scheinbare Durchmesser für alle Monde um den jeweils selben Faktor. Mitte Oktober 2026 beträgt dieser z.B. 0,75

  • Die einzelnen Mondhelligkeiten gelten streng für die Opposition des Jupiter, die praktisch auch seinem geringsten Erdabstand entspricht. Mit zeitlichem Abstand zu diesem Termin sinken die Helligkeiten aller Monde in gleichem Verhältnis (scheinbare Widersprüche werden durch die logarithmische Helligkeitsskala begründet). So sind  Mitte Oktober 2026 Ganymed oder Kallisto bloß 5,6 bzw. 6,9 mag hell; Io oder Europa nur rund 6,1 bzw. 6,2 mag

  • Bei kombinierten Helligkeiten kann man - wegen der erwähnten logarithmischen Skala - nicht einfach bloß die mag-Zahlenwerte addieren. Die Berechnung erfolgte mit meinem alten QBasic-Programm aus den Neunzigerjahren, das eigentlich für Doppelsterne gedacht war. Auch hier gelten die Angaben für die Jupiteropposition
Alle Angaben ohne Gewähr!
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