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Sonne - Mythologie - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Dr. Christian Pinter
Astronomische
Beobachtungstipps
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Sonne - Mythologie
In vielen Kulturen sind Sonne und Mond ein Liebespaar oder aber Geschwister unterschiedlichen Geschlechts. Wer im heißen Süden lebte, sah in der Sonne oft eine männliche, im Mond eine weibliche Gottheit. In Mesopotamien, Griechenland und im Römischen Reich kannte man einen männlichen Sonnengott. In Erinnerung daran sprechen Italiener von il sole.


Sunna

Im Deutschen ist die Sonne hingegen weiblich. Denn in der nordischen Mythologie heißt die personifizierte Sonne Sunna. Sie ist die Schwester des Mondgotts und befährt den Himmel täglich in einem Wagen. Auch ihr Gefährt wird beständig von einem Wolf verfolgt. Das Tier namens Skoll wird sie aber erst am Tag des Weltuntergangs einholen. Ein anderer Name der nordischen Sonnengöttin ist Sól - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen römischen Sonnengott.
Schamasch

In Mesopotamien hieß der Sonnengott Schamasch. Er war der Sohn des Mondgottes Sin und eine hochgestellte Gottheit. Als alles Sehender stand Schamasch auch für das Recht und die Weissagung. Hier gibt es Parallelen zu den griechischen Gottheiten Helios bzw. Apollon. Soweit mir bekannt, absolvierte Schamasch die tägliche Reise von Ost nach West aber nicht im Wagen - sondern zu Fuß.
Helios

Der eigentliche griechische Sonnengott war Helios. Dieser Gott, mitunter mit Apollon gleichgesetzt, fuhr tagtäglich übers Firmament. Vier nur schwer zu bändigende Rosse zogen seinen Wagen. Von seinem hohen Ausguck aus blieb diesem Gott nichts verborgen. Helios war eine alles sehende Gottheit. Er wusste, was Götter und Menschen trieben.

Er war es schließlich auch, welcher der Göttin Demeter näheres über den Verbleib ihrer Tochter Persephone verriet: Der Unterweltsgott Hades hatte sie geraubt und in sein finsteres Reich verschleppt. Im Mysterienkult von Eleusis gedachte man diesem Mythos (ausführlicher Artikel).
Helios und seine Rosse als Kopien in einer Athener Metro-Station. Helios selbst mied öffentliche Verkehrmittel und zog die Fahrt im privaten Sonnenwagen vor
Der Sonnengott bricht jeden Morgen mit seinem flammenden Strahlenkranz und seinen vier Rossen zur Fahrt über den Himmel auf. Im Tageslauf geht es von Ost nach West. Dort angelangt, kehrt er des nachts unterhalb der Erdoberfläche zur Ausgangsposition zurück.

Im Jahreslauf führt der Pfad des Sonnengotts, so schreibt Ovid, durch die Bilder des Tierkreises: Es geht hindurch zwischen den Hörnern des Stiers, vorbei am bogenspannenden Schützen, dem Rachen des reißenden Löwen und den unbarmherzigen Scheren des Krebses.
Helios fährt von Ost nach West über den Himmel - Haaderhaus, Langenzersdorf
Doch eines unheilvollen Tages bittet Phaethon, der Sohn des Sonnengotts, den väterlichen Wagen lenken zu dürfen. Die feuerspeienden Rosse sind für den strahlenden Jüngling kaum zu bändigen. Ohne die strenge Hand des vertrauten Lenkers weichen sie vom Weg ab. Dem unerfahrenen Phaethon zittern bald die Knie. Er verliert die Besinnung.

Die vollends führerlos gewordenen Rosse ziehen den Sonnenwagen auf eine viel zu niedrige Bahn. Die Schneekappen hoher Gipfel schmelzen, Wälder und schließlich Berge entzünden sich. Städte gehen mitsamt ihrer Mauern unter, der Brand legt ganze Länder in Asche. Euphrat, Ganges und Donau brennen. Selbst der Gewässergott Neptun (griechisch: Poseidon) erträgt die Glut nicht. Die Pole rauchen, die Himmelsachse glüht.
Phaethons Himmelssturz - Nürnberger Fembohaus (um 1610)
Endlich schleudert Jupiter (griechisch: Zeus) den Blitz auf Phaethon, zertrümmert den Sonnenwagen und zerstreut die Rosse. Der Jüngling fällt herab zur Erde. Dieser Sturz des Phaethon wird zum Sinnbild von fatalem jugendlichen Leichtsinn. Wieso man eine Limousine ausgerechnet nach Phaeton taufte, wissen bestenfalls die VW-Marketing-Leute.

Nachdem Jörg Haider einen nachhaltig aggressiven, rechtsdemagogischen Ton in die österreichische Politik gebracht hatte, kam er jedenfalls mit einem Wagen dieses Typs zu Tode - alkoholisiert und mit dem doppelten der erlaubten Geschwindigkeit.
Der Hafen von Rhodos (Stadt) - hier erhob sich einst der legendäre Koloss
Zurück zu Helios: Als Zeus die Welt unter sich und seinen Brüdern aufteilte, ging dieser leer aus. Zum Glück stieg eine Insel aus dem Meer empor, die in Folge dem Helios zufiel. Dort heiratete er die Nymphe Rhode: Ihr Name lässt ahnen, um welche Insel es sich handelte.

Der Koloss von Rhodos stellte den Helios dar. Die 30 Meter hohe, breitbeinige Bronze-Statue im Hafen der Stadt stürzte etwa 66 Jahre nach ihrer Fertigstellung während eines Erdbebens zusammen. Von einer Neuerrichtung nahm man Abstand.

Mit dem Licht der Sonne zeichnen - das gelang Joseph Nicéphore Niépce 1826: Mithilfe einer Lochkamera bannte er den Anblick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers im Gutshof von Le Grans auf eine mit Asphalt beschichtete Zinnplatte. Chemikalien lösten die dunkel gebliebenen Asphaltpartien anschließend heraus. So entstand eine frühe Form der Fotografie, die Niépce Heliographie taufte (griech: graphein - schreiben, zeichnen).
Heliografisches Gradnetz, dargestellt mit der Software WinJUPOS
Als Astronomen ein Gradnetz mit Längen- und Breitengraden über die Sonne zogen, sprachen sie von heliografischen Koordinaten - um es klar vom erdbezogenen, geografischen Koordinantensystem zu unterscheiden.
Apollon
Apollon vor der Athener Akademie
Der Gott Apollon stand für das Licht, die Kunst und die Weissagung. Sein berühmtestes Orakel lag in Delphi, am Fuße des mächtigen Parnass-Gebirges.

Im Parnass spielte er mit der Lyra – ein Zupfinstrument, auf das Begriffe wie „Leier“ oder „Lyrik“ zurückgehen.

Er begleitete damit den Gesang der neun Musen, die auch als Schutzgöttinnen der Künste fungierten: die Thalia z.B. für die Komödie, die vielstimmige Polyhymnia für den Gesang, die Urania für die Himmelskunde.
Apollon in der Stoa des Attalos, römische Kopie aus dem 2. Jh.
Der Pariser Hügel Montparnasse wurde nach dem griechischen Vorbild getauft: Denn Pariser Studenten des 17. Jahrhunderts huldigten den Musen am linken Ufer der Seine recht ausgiebig.

Dem prächtigen Apollon wird sprichwörtliche Schönheit nachgesagt.

Gerade weil Prinz Eugen eben „kein Apoll“ war und ihm jede „apollonische Schönheit“ fehlte, ließ er sich gern in Gestalt dieses Gottes verewigen. In seinem Sommerpalais, dem Belvedere in Wien, posiert Apollon mit der Sonnenscheibe.
Und das Deckengemälde in Prinz Eugens Winterpalas in der Wiener Himmelpfortgasse zeigt Apollon im Sonnenwagen. Beides ist stimmig, wurde der Apollon schließlich doch auch als Sonnengott verehrt. Ähnlich vielwissend, nahm Apollon dem altvertrauten Helios gleichsam die Zügel aus der Hand.
Apollon mit der Sonnenscheibe - im Garten des Wiener Belvedere
Die Römer nannten ihn Apollo, und die NASA taufte schließlich ihr erstes Mondlandeprogramm nach ihm.
Sol

Der römische Sonnengott hieß Sol. Er übernahm Eigenschaften des griechischen Helios und wurde unter anderem am 28. August gefeiert - gemeinsam mit seiner Schwester, der Mondgöttin Luna.

John Herschel, Sohn des Uranus-Entdeckers Wilhelm Herschel, war ebenfalls Astronom. 1840 bemerkte er, wie sehr starke Überbelichtung ein Negativ in ein Positiv verwandeln konnte. Die Schwärzungskurve kehrt sich dann gewissermaßen um. Der Fotopionier John William Draper taufte diesen Effekt Solarisation.

Heute bezeichnen wir auch andere Dinge, die mit der Sonne oder deren Licht in Zusammenhang stehen, als solar - der Bogen reicht vom Solarium bis zur Solaranlage.
Werbebanner an einem Floridsdorfer Solarium
Anfangs blieb der römische Gott Sol mythologisch eher blass, ähnlich wie sein griechisches Pendent Helios. Es ranken sich nicht allzu viele Geschichten um ihn.

Sein Stellenwert stieg in der Kaiserzeit, als man begann, die Unbezwingbarkeit der Sonne zu betonen. Sonnenhöhe und Sonnenscheindauer schwanken im Jahreslauf. Sie erreichen zur Wintersonnenwende ihr Minimum. Doch danach gewinnt die Sonne wieder an Kraft - weshalb sie auch als Sol invictus (lateinisch: unbesiegte Sonne) Verehrung fand.
Mithras

Mithras entstammt dem alten Iran, wo er als Gott des Rechts, der Ordnung und der Wahrheit galt. Ein Strahlenkranz ziert sein Haupt. Legionäre brachten ihn im 1. Jahrhundert ins römische Reich, wo man ihm als Sonnengott huldigte. Ein wehender Mantel und ein Dolch zählen zu seinen Attributen. Oft wird er von zwei Fackelträgern begleitet, die für die auf- bzw. untergehende Sonne stehen.
Mithrasheiligtum im Stadtmuseum Linz
Mithras kämpft gegen das Böse und die Dunkelheit. Um ihn entwickelte sich ein mehrstufiger Mysterienkult mit diversen Prüfungen, der allerdings nur Männern offenstand. Dabei schlachtete man unter anderem einen Stier, wie es auch Mithras tat.

Verehrung fand Mithras auch bei manchem Kaiser: Aurelian wollte die Einheit im Reich fördern und forcierte deshalb den Sonnenkult. Er selbst sah sich natürlich als oberster Repräsentant des Sonnengottes auf Erden.
Aurelian verfügte, dessen Geburtstag am 25. Dezember zu feiern – und zwar im ganzen Imperium. Dieses Datum lag in unmittelbarer Nähe der Wintersonnenwende, deren Datum die Römer offenbar nicht genau bestimmen konnten.

Ab der Sonnenwende werden die Tage - wie schon weiter oben erwähnt - jedenfalls wieder länger; das Licht beginnt gewissermaßen über die Dunkelheit zu triumphieren: Ein passender Termin für den Geburtstag einer Sonnengottheit!
Mithrasheiligtum im Stadtmuseum Linz
Der Mithraskult stand teils in Konkurrenz zum Christentum. Allerdings wandte er sich an einen exklusiveren Zirkel, während im Christentum die ewige Glückseligkeit prinzipiell jedem offen stand.

Die Christen entwickelten jedenfalls früh die Fähigkeit, Kulte, die sie nicht bekämpfen konnten, für sich zu nutzen – sowohl was deren Orte, als auch deren Termine betraf. So errichteten sie an zahlreichen heidnischen Kultplätzen, auf denen die Menschen einander sowieso trafen, Kapellen und Kirchen.

Weil am 25. Dezember viele Menschen die Geburt ihres Sonnengottes feierten, setzten Christen im 4. Jahrhundert auch die Geburt Jesu - und damit das Weihnachtsfest - auf dieses Datum. Der "Mitbewerber" Mithras wurde so quasi instrumentalisiert.
Sonne und Sonntag

Die Römer weihten - aus astrologischen Gründen - jeden Wochentag einem anderen Wandelgestirn. Zur Sonne gehörte der Sonntag (lat.: dies solis). Unter christlichem Einfluss geriet dieser Wochentag jedoch als Auferstehungstag zum Tag des Herrn. Im Italienischen hieß er in Folge domenica und büßte seinen namentlichen Bezug zum Tagesgestirn ein.

Im Deutschen blieb die Verbindung jedoch erhalten. Ebenso z.B. im Englischen (sunday) oder im Dänischen (søndag).
Sonne und Flaggen

Nationen, Staaten und Ideologien zählen zu den vergleichsweise kurzlebigen, von Menschen gemachten Konstrukten. Um sich den Anstrich immerwährender Beständigkeit, aber auch einer Legitimation "von oben" zu holen, bemüht man gern ewiglich anmutende himmlische Symbole. Oft sind das Sterne, wie auf einer anderen Seite erklärt wird.

Auch die Sonne prangt auf manchen Flaggen. Den Sonnenaufgang (der auch symbolisch für Aufbruch oder den Beginn einer neuen Ära stehen kann) zeigen die Flaggen von Antigua und Barbuda, Bangladesch oder Malawi. Die Sonne erblickt man auch auf den Flaggen von Taiwan, Japan, Kasachstan, Namibia, Niger oder Nordmazedonien.

Uruguay und Argentinien schenken ihr sogar ein Gesicht - mit Augenbrauen, Augen, Nase und Mund.
In der Flagge des zu Dänemark gehörenden Grönlands mag man eine untergehende Sonne erblicken, wenngleich es auch eine andere Interpretation gibt. Ähnliches gilt für die Flagge der Samen, deren Siedlungsgebiet von Norwegen über Schweden und Finnland bis nach Russland reicht.
Auf den Flaggen der US-Bundesstaaten Illinois und Montana erblicken wir unter anderem auch die Sonne - am Horizont.

Für den Sonnenuntergang stehen die roten und gelben Strahlen in der Flagge Arizonas (Foto links oben). Die Flagge New Mexicos (Foto links) zeigt zwar ein sternähnliches Symbol - doch das ist in Wirklichkeit die Sonne des indianischen Zia-Volks.
Alle Angaben ohne Gewähr
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