Jupiter und seine Wolkenbänder
Jupiter gleißt am Firmament. Am 7. Dezember 2024 erreicht er, zwischen den Hörnern des Sternbilds Stier weilend, seine Oppositionsstellung. Gegen 24 Uhr steht er genau im Süden. Kein anderer himmlischer Lichtpunkt strahlt zu Mitternacht so hell wie er - denn die noch kräftigere Venus ist da bereits untergegangen.
Jupiters Durchmesser wächst auf 48 Bogensekunden. Um ihn im Teleskop so groß zu sehen, wie den Vollmond mit freiem Auge, muss man bloß 33fach vergrößern.
Das schaffen selbst kleine Fernrohre. Allerdings vergrößert man dabei auch die Luftunruhe.
Mit zunehmendem Abstand zum Oppositionstermin werden die geometrischen Bedingungen wieder ungünstiger.
Jupiter zieht sich in den folgenden Wochen und Monaten immer mehr vom Morgenhimmel zurück, der Höchststand im Süden schiebt sich in Richtung Abend vor.
Oben: Anblick im Februar 2017
Links: Jupiter im Dezember 2024
Der mythische Göttervater
Als strahlend heller Lichtpunkt war dieser Wandelstern seit Alters her bekannt. Ein kompletter Lauf durch den Tierkreis dauert 12 Jahre; ebenso viele Monde kennt ein Jahr. Damit stand dieses Gestirn für die himmlische Ordnung schlechthin.

Zeus führte die Götter des Olymp an. Hier thront er am Giebel der Athener Akademie
Zwar ist die Venus heller, bleibt aber nie die ganze Nacht über sichtbar. Und der Mars überflügelt den Jupiter nur gelegentlich im Glanz. So geriet dieser Planet auch zu einem Sinnbild besonderer Beständigkeit.
Jupiter im Nürnberger Barockgarten
Bei den Babyloniern repräsentierte er den hohen Gott Marduk, zu dem der König in engstem Verhältnis stand.
Bei den Griechen symbolisierte er den Göttervater Zeus.
Bei den Römern glänzte er für den überaus mächtigen Gott Jupiter.
Geweiht wurde ihm der Donnerstag, was im Italienischen noch heute klar zum Ausdruck kommt (Jupiter: Giove, Donnerstag: giovedi).
Der englische Thursday (norwegisch: torsdag) leitet sich von Jupiters nordgermanischer Entsprechung Thor ab. Thor war auch als Donnergott begannt; daran erinnert uns die kontinentalgermanische Bezeichnung Donar. Davon wiederum stammt unser Begriff Donnerstag.
Galilei und Jupiter
Der erste Planet, den Galilei mit seinem verbesserten Teleskop ordentlich beobachten konnte, war der Jupiter. Er gleißte im Winter 1609/10 im Sternbild Stier. Galilei durfte seinen Anblick mit dem anderer heller Sterne im Himmelsstier oder im Orion vergleichen.
Fixsterne wären "etwas Glänzendes, das ringsum Strahlen aussendet und funkelt", schrieb er im Sternenboten. Sie erschienen im wesentlichen punktförmig, wenngleich von starkem Schimmer umgeben: "Der Gesichtswinkel wird nicht von dem eigentlichen Körperchen des Sterns bestimmt, sondern von dem Glanz, der es breit umgibt".

Hingegen sah er Jupiter als kleine Kugel, "vollkommen rund und wie mit dem Zirkel gezogen". Sein Anblick erinnerte an eine verkleinerte Version unseres Vollmonds.
Tatsächlich muss Galilei selbst mit seinem stärksten Teleskop den Jupiter immer noch etwas kleiner erblickt haben als den Mond mit freiem Auge. (Links: So wird Galilei den Jupiter gesehen haben)
Mit seinem nur 30-fach vergrößernden Sehglas war es ihm auch nicht möglich, irgendwelche Details auf dem Planetenscheibchen zu erkennen.
Selbst die starke Abplattung des Jupiter entging ihm: Der raschen Rotation von knapp zehn Stunden wegen ist der Äquatordurchmesser um sieben Prozent größer als der Poldurchmesser. Wer weiß: Vielleicht nahm Galilei dieses Phänomen zwar wahr, interpretierte es aber als optischen Fehler seines Teleskops.

Bei Babyloniern, Griechen und Römern repräsentierte dieses Gestirn besonders hochrangige Gottheiten. Darauf spielte Galilei an, als er diesen Planeten in seinem Sternenboten als das "edelste" aller Gestirne bezeichnete. (Links: So sieht Jupiter in einem sehr kleinen, modernen Teleskop aus).
Tatsächlich ist Jupiter nach der Sonne der mächtigste Himmelskörper im ganzen Sonnensystem. Im Durchmesser übertrifft er die Erde elfmal, an Masse gleich um das 318-fache. Würde man ihn zerlegen, könnte man die anderen Planeten mit seiner Materie noch ein zweites und ein drittes Mal erschaffen.
Die erste Bestimmung der Rotationszeit Jupiters gelang Giovanni Cassini ab 1663 in Bologna, als er mit einem 1,5 Meter langen Teleskop des römischen Instrumentenbauers Giuseppe Campani Flecken auf dem Planeten erspähte. Cassinis kam auf 9 Stunden 50 Minuten. Tatsächlich dauert ein Tag auf Jupiter nur sechs Minuten länger.
Später, in Paris, erkannte Cassini dann auch die abgeplattete Form der Jupiterkugel.
Dass Wolfgang Amadeus Mozart beim Verfassen seiner letzten Sinfonie an den Gott oder den Planeten Jupiter gedacht haben soll, ist eine Mähr: Der Beiname Jupitersinfonie kam erst nach Mozarts Tod auf und sollte wohl die Vollkommenheit des Werks unterstreichen.Foto links: Mozart-Denkmal auf dem Kapuzinerberg, Salzburg
Jupiter selbst beobachten
Schon mit freiem Auge fällt der farblose, überaus ruhige Glanz Jupiters auf. Das Fernglas lässt bereits dessen Scheibchenform erkennen.
Im Amateurfernrohr wird die Abplattung (bedingt durch Jupiters rasche Rotation) deutlich. Das Instrument zeigt außerdem Details, bei denen es sich allerdings nicht um Phänomene der Jupiteroberfläche, sondern um atmosphärische Strukturen handelt - um Wolkengürtel und -zonen, die parallel zum Äquator liegen.
So präsentierte sich Jupiter am 21.4.2016.
Die Bildbearbeitung deckt feinste Strukturen in den Wolkenbändern auf, die dem Auge selbst im großen Amateurteleskop verborgen bleiben.
Man erkennt ein Spiel aus dunkleren Gürteln (auch Bänder genannt) und helleren Zonen. Prominent sind normalerweise die beiden Gürtel beiderseits des Äquators und die beiden ebenfalls dunkleren Polargebiete. Vor allem der Anblick der Äquatorialgürtel kann von einer Beobachtungssaison zur nächsten aber deutlich variieren.

Je nach Fernrohrleistung macht man in den Zonen und Bändern Einzelheiten aus, sieht zusätzliche Gürtel oder den berühmten Großen Roten Fleck (GRF). Allerdings sind alle Details auf Jupiter ziemlich blass. Sie treten nicht so kontrastreich hervor, wie auf obiger Grafik.

Ihr Anblick ähnelt eher dem Foto links, wenn Sie dieses aus ein paar Metern Abstand betrachten. Ein Blau- (z.B. Wratten Nr. 80A) oder ein Grünfilter (z.B. Wratten Nr. 56) steigert den Kontrast zwischen den hellen Zonen und den dunklen Gürteln.
A Whiter Shade of Pale
Der südliche Äquatorialgürtel wird seit Herbst 2024 blasser. Michael Johannes Karrer fotografierte am 30.11.2024 dort zwei helle Ausbrüche (hier sein Foto auf der Facebook-Seite der WAA; es sollte auch ohne Anmeldung aufrufbar sein). Aus diesem Foto würde ich, WinJUPOS anwendend, auf die jovigrafischen Längen 320° und 328° im System II schließen.
Solche Ereignisse sind selten und kosten dem betroffenen Gürtel erfahrungsgemäß Farbe - und damit Kontrast. Er wird somit wohl noch bleicher werden. Mein Foto vom 10.1.2025 lässt dies ebenfalls ahnen.

Jupiter am Abend des 10.1.2025:
Die hellen Ausbrüche im südlichen Äquatorialband weiten sich erwartungsgemäß aus (Zentralmeridian System II: 317°).
Der Mond Io verschwindet gerade hinter dem Planeten
Versuche mit Farbfiltern
Das vierteilige Meade Filterset 1,25 Zoll (12, 23A, 58, 80) beinhaltet Farbfilter, die man zur Beobachtung von Venus, Mars, Jupiter und Saturn einsetzen kann. Omegon bietet ein sechsteiliges Set, das sich allerdings mehr an die Besitzer großer Teleskope richtet (Wratten Nr. 21, 25, 82, 12, 56, 47).
Ohne wesentliche Farbveränderung steigert ein Kontrastfilter wie der Baader Neodymium (Mond- und Skyglow) die Sichtbarkeit von Details auf Jupiter, speziell jene des Großen Roten Flecks. Weiteres über den Einsatz von Filtern lesen Sie hier.

Wer ohne Filter beobachtet, mag versuchen, Farbnuancen wahrzunehmen und etwaige Tönungen zu beschreiben.
Den Farbenreichtum der Jupiterfotos wird man visuell aber nicht erwarten dürfen. Auf den Bildern sind Kontrast und Farbsättigung dramatisch übersteigert. Das macht man nicht, um den Betrachter zu täuschen - vielmehr möchte man so Details herausarbeiten, die dem Auge sonst verborgen blieben.
Beobachtungsaufgaben
- Ab welcher Vergrößerung erkennen Sie den abgeplatteten Umriss Jupiters?
- Fallen Ihnen Wolkengürtel beiderseits des Äquators auf?
- Erspähen Sie weitere Details innerhalb von Wolkenbändern?
- Machen sich die dunkleren Polgebiete bemerkbar?
- Sehen Sie im größeren Teleskop nicht bloß Grautöne, sondern auch Farbnuancierungen?
Fototipps gefällig?

Jupiter am 16.12.2024 im Vergleich: Links nur im
visuellen Spektralbereich, in der Mitte visuell plus Infrarot bis knapp 1000 nm, rechts nur IR ab 742 nm. Fotografiert mit einer Zwo Asi 678MC im Fokus des Meade LX90 (2000 mm, f/10).
Details auf Jupiter lassen sich mit Teleskop und CCD/CMOS-Kamera festhalten, wie in obigem Foto ersichtlich. Mit einer DSLR geht das wesentlich schlechter.
Literatur für Planetenbeobachter
Planeten beobachten
Von Günther D. Roth. Ein etwas älteres, aber äußerst vorzügliches Werk für alle, die Planeten im Teleskop studieren möchten! Gebraucht kaufen und Versandkosten beachten.
Sonne, Mond, Planeten beobachten und fotografieren
Ein Buch zu oben genanntem Themenkreis, das sich u.a. auch der digitalen Fotografie widmet.
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