Merkur - Beobachtung
Merkur ist der innerste Planet und entfernt sich nie weit von der Sonne. Er wechselt rasch von einer Seite auf die andere, bildet dann einen für uns eher unscheinbaren Abend- oder Morgenstern. Seine größten Winkelabstände zur Sonne nennt man Elongationen. Sie können maximal 28 Grad betragen.
Rund um die östliche Elongation steht Merkur links der schon untergegangenen Sonne und ist damit in der Abenddämmerung sichtbar. Rund um die westliche Elongation weilt Merkur rechts der noch nicht aufgegangenen Sonne und taucht damit in der Morgendämmerung auf. Zumindest theoretisch.
Denn in unseren Breiten kommt noch eine Zusatzbedingung hinzu. Merkur zieht - wie alle Planeten - grob in der Ekliptikebene dahin. Die Ekliptik trifft den Westhorizont im Frühling unter einem vergleichsweise steilen Winkel. Beim Osthorizont ist dies im Herbst der Fall.
Falls eine östliche Elongation im Frühling eintritt, bietet sich eine wirklich gute Merkursichtbarkeit in der Abenddämmerung. Tritt eine westliche Elongation im Herbst ein, ist Merkur halbwegs einfach in der Morgendämmerung auszumachen.
Ein Orange- oder Rotfilter erhöht den Kontrast zum Dämmerungsblau. Näheres über den Einsatz von Filtern lesen Sie hier.
Da ich kein Frühaufsteher bin, berichte ich hier nur über günstige Abendsichtbarkeiten im Frühling.
So zeigte sich Merkur abends am 19.3.2024 (oben links)
2026 sehen wir Merkur gleich zweimal in der ersten Jahreshälfte am Abendhimmel. Dafür ist freilich jede dieser Erscheinungen suboptimal.
Die erste günstige Sichtbarkeitsperiode erreicht ihren Höhepunkt grob um den 18. Februar 2026. Der ganz junge Mond assistiert bloß an diesem einen Tag: Da steht das Neulicht 4 Grad unterhalb des Planeten. Danach bietet sich die helle Venus als Aufsuchhilfe an: Sie steht etwa 6 oder 7 Grad tiefer, zunehmend aber etwas links der Vertikalen.
Beginnen wird man die Beobachtung wohl zu Ende der bürgerlichen Dämmerung (Raum Wien gegen 18:00 Uhr). Schon da steht Merkur nur etwa zehn Grad hoch. Während das Himmelsblau dunkler gerät, sinkt er noch tiefer zum Horizont hinab. Ein Fernglas hilft, Merkur möglichst früh auszumachen. Ein Beobachtungsplatz mit wirklich freier Sicht bis zum Westsüdwest-Horizont hinab ist daher Bedingung.
Die zweite günstige Sichtbarkeit folgt Anfang bis Mitte Juni 2026. Die bürgerliche Dämmerung endet im Raum Wien gegen 21:30 MESZ. Die gleißende Venus weilt grob 14 Grad links oberhalb des Merkur. Der deutlich schwächere Jupiter hält sich in ihrer Nähe auf. Er steht dem Merkur ab dem 10. Juni zunehmend näher als die Venus.
Am 16. Juni 2026 gesellt sich das Neulicht zum Merkur: Die überaus schlanke Mondsichel hängt dann zwei Grad rechts oberhalb des Merkur; beide Gestirne passen gleichzeitig ins Gesichtsfeld des Fernglases. Am 17. Juni passiert die Mondsichel die Venus in geringem Abstand. Damit klingt die abendliche Merkursichtbarkeit aus.
Selbst im Teleskop werden wir bestenfalls die Phase des Planeten erkennen. Oberflächendetails sind auf Merkur zu klein und zu kontrastarm. Dazu gesellt sich noch der niedrige Stand über dem Horizont, der für starke Luftunruhe sorgt. Die in geringer Höhe besonders deutliche atmosphärische Extinktion schenkt dem eigentlich grauen Merkur einen gelblichen Teint.
Fototipps gefällig?
Man kann versuchen, Merkur in der Dämmerung mit der DSLR einzufangen - und zwar ohne Teleskop. Dazu braucht man bloß ein Stativ und am besten auch einen Fernauslöser. Die Kameraautomatik bietet dank der hellen Dämmerung einen ersten Anhaltspunkt für die Belichtungszeit. Von extremen Weitwinkelaufnahmen rate ich ab: Denn dann wird Merkur nur noch 1 Pixel klein und somit quadratisch.
Scharfgestellt wird auf den hellen Planeten Venus, eventuell mit einer Bahtinov-Maske (diese Masken gibt es auch in passenden Größen für Kameraobjektive). Alternativ lassen sich sehr weit entfernte irdische Objekte am Horizont zum Fokussieren nützen. Das Foto gewinnt an Plastizität, wenn man Irdisches (in der Nähe und in der Ferne) mit ins Bild rückt.
Um die Lichtphase des Merkur einzufangen, muss man den Planeten mit einer CCD/CMOS-Kamera durchs Teleskop anvisieren. Ein Rotfilter mag helfen, den Kontrast zu steigern und die Folgen der Luftunruhe zu mindern.
Speziell ausgerüstete Amateure fotografierten bereits den Natriumschweif des Merkur: Das ist ein grob 1 Grad langes, kometenähnliches Gebilde aus Atomen, die Stunden zuvor von der Sonnenstrahlung aus dem Merkurboden geschlagen wurden.
Um den Natriumschweif festhalten zu können, braucht es klaren, möglichst dunklen Himmel und einen Filter, der wirklich nur die gelbe Doppellinie des Natriums (589,0 nm und 589,6 nm) passieren lässt. Solche Filter für die Planetenbeobachtung sind leider sehr schwer zu bekommen. Denn aufgrund der städtischen Lichtverdreckung leiden Astroamateure ja meist unter dem gegenteiligen Problem: Sie müssen das durchfallfarbige Licht der Stadtautobahnen wegfiltern - und brauchen somit Natrium-Blocker statt Natrium-Passfilter.
Beobachtungsaufgaben
- Gelingt es Ihnen, Merkur freisichtig in der Dämmerung auszumachen?
- Schaffen Sie es mit dem Fernglas?
- Ist die aktuelle Lichtphase des Planeten im Fernrohr zu erkennen?
Alle Angaben ohne Gewähr!