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Mondfinsternis - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Dr. Christian Pinter
Astronomische
Beobachtungstipps
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Partielle Halbschatten-Mondfinsternis 20./21.2.2027
Der schwäbische Astronom Johannes Kepler beobachtete zahlreiche Mondfinsternisse - unter anderem während seiner langen Jahre in Linz (Artikel).

Vielleicht hat Kepler seinem dritten kaiserlichen Auftraggeber, Ferdinand II., einst das Zustandekommen von Mondfinsternissen erklärt. Jedenfalls betont das Gemälde an der Decke von Ferdinands Mausoleum in Graz: Dieser Kaiser kannte sich diesbezüglich aus. "Haec lumen ademit", steht hier: "Dadurch wird das Licht weggenommen".
Verwundeter Mond

Einst dachten Menschen, ein himmlischer Drache oder Dämon hätte den Mond verwundet; er würde nun bluten. Manche reagierten mit blankem Entsetzen und versuchten, den vermeintlichen Angreifer mit Lärm zu vertreiben.

Johannes Kepler wusste hingegen: Es ist unsere Atmosphäre, die ein wenig Sonnenlicht in den eigentlich dunklen Erdschatten befördert. Der lange Weg durch die Luft schwächt und rötet es. Es kommt zu einem doppelt starken Extinktionseffekt. Das mutmaßliche "Blut" ist somit ein atmosphärisch-optischer Effekt.
Doppelschattenspiel

Die Erde wirft einen Schatten ins All. Was nur in reflektiertem bzw. gestreutem Sonnenlicht leuchtet und in den Erdschatten gerät, verschwindet scheinbar vom Himmel.

Eigentlich wirft die Erde zwei Schatten ins All: Eine rauchartigen Halbschatten und einen dunklen Kernschatten. Ursache für diese Zweiteilung ist der Sonnendurchmesser. Wäre die Sonne ein Punkt, existierte der Halbschatten nicht.
Sie können diese Doppelnatur des Schattens übrigens auch bei irdischen Gegenständen bemerken, die im Sonnenlicht baden. Der Halbschatten (von Johannes Kepler einst Penumbra genannt) läuft auch hier nach außen hin ohne klare Kante aus.
Nach innen hin, also in Richtung des Kernschattens, gerät er zunehmend dichter.

Der Halbschatten wird durch direkte Sonnenstrahlen geprägt, die am irdischen Gegenstand bzw. an der Erde vorbei ziehen. Für ein Objekt im Halbschatten ist die Sonne nur teilweise verdeckt. Daher wirkt die Penumbra unscharf und verwaschen - wie auch das Foto links demonstriert.
Hingegen fällt kein Sonnenlicht in den dunklen Kernschatten, den Johannes Kepler schlicht Umbra (lat., Schatten) nannte. Zumindest nicht auf direktem Weg. Denn für einen Betrachter in Kernsachatten wäre die Sonne komplett verdeckt.

Irdische Objekte im Kernschatten werden allerdings durchs Himmelsblau aufgehellt - also von Sonnenlicht, das in der Atmosphäre an Molekülen gestreut wird. Analog-Fotografen erinnern sich wohl noch gut daran, wie im Kernschatten liegende Böden einen blauen Farbstich abbekamen - eben wegen des erwähnten Himmelsblaus.

Gerät der Mond in den Kernschatten, so trifft ihn auf direktem Weg kein Sonnenstrahl mehr. Jedoch streifen Sonnenstrahlen dicht an der Erde vorbei. Die Lufthülle wirkt wie eine Linse und bricht diese Strahlen in den Kernschatten hinein. Der lange, gleichsam tangentiale Weg durch die Atmosphäre streut dabei die kurzwellige, blaue Strahlung fort.

Jenes Licht, das es nach der mühsamen Passage zum Mond schafft, ist daher geschwächt und gerötet: Der Effekt ähnelt einem Sonnenauf- oder Untergang, ist jedoch viel stärker.

Diese "ermüdeten", in den Kernschatten hinein gebrochenen Strahlen fallen auf die Mondoberfläche und schenken dieser ein sehr mattes, rotes Glimmen. Das rote Restlicht, welches wir auf dem Mond erspähen, ist der kombinierte Schein aller Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, die zu diesem Zeitpunkt auf Erden stattfinden!
Diesmal eine matte Sache

Diesmal steht der Vollmond während der Finsternis zwar hoch am Himmel, doch schrammt er komplett am Kernschatten vorbei. 95% des Monddurchmessers tauchen in den Halbschatten ein. 5% bleiben auch davon unberührt. Man spricht deshalb von einer partiellen Halbschatten-Mondfinsternis.

Vom Eintritt in den Halbschatten um 22:12 MEZ (20. Februar) werden wir nichts bemerken. Ebenso verhält es sich mit dem Austritt aus dem Halbschatten um 2:14 MEZ (21. Februar).

Denn solche Finsternisse fallen dem freien Auge erst auf, wenn etwa 70% des Monddurchmessers in der Penumbra weilen - ein traditioneller Erfahrungswert.
Der zumindest der obere, dem Kernschatten deutlich näher liegende Mondteil scheint dann von einer leicht rauchartigen Lichteinbuße betroffen zu zu sein.
Darstellung der Finsternis in der sehr empfehlenswerten Software Occult
Diese sogenannte "0,7-Bedingung" ist laut dem Österreichischen Astronomischen Almanach für 2027 zwischen 23:17 und 1:08 MEZ erfüllt. Wir können das Intervall zu verlängern suchen, indem wir das Gleißen der Vollmondscheibe künstlich reduzieren.
Am einfachsten, man setzt dazu eine Sonnenbrille auf. Oder man betrachtet Reflexionen der Mondscheibe zwischen den beiden Scheiben eines modernen Fensters. Teleskopbesitzer haben oft auch einen Graufilter oder einen Polfilter in ihrem Repertoire.

Beim Doppelpolarisationsfilter darf man die Lichtreduktion variabel einstellen. Solche Tricks machen wir unser Auge hier etwas sensibler für schwache Helligkeitskontraste.

Um 0:13 (21.2.) ist das Maximum der subtilen Verfinsterung erreicht.
Der dichteste (vergleichsweise dunkelste) Abschnitt des Halbschattens liegt ein wenig links vom obersten Punkt des Mondes - etwa dort, wo "11" am Ziffernblatt einer Uhr stünde. Ein dort weilender, fiktiver Mondbewohner würde eine recht hochgradige partielle Sonnenfinsternis erleben.

Genau dort mag der Mond nun ein klein wenig gerötet sein, was sich vielleicht beim Blick durchs Fernglas und auch fotografisch nachweisen lässt. Denn ein Mondbewohner im dichtesten Teil des Halbschattens erlebte - dank der Erdatmosphäre - auch den Hauch eines "Morgen- bzw. Abendrots".  
Halbschatten-Mondfinsternis am 16.9.2016
Für Wiener steht der Mond zum Maximum fast genau im Süden, 51 Grad hoch. Rechts oberhalb erblicken wir den hellen Jupiter in 12 Grad Abstand. Direkt über dem Mond findet sich der leicht rötliche Planet Mars in 6 Grad Abstand.

Zur Beobachtung empfiehlt sich in erster Linie das freie Auge. Ein Fernglas vergrößert die Mondscheibe, hellt sie allerdings auch auf. Ein schwach vergrößerndes Teleskop mag ebenfalls zum Einsatz kommen.

Die Mondscheibe misst in dieser Nacht übrigens 33 Bogenminuten, etwas mehr als üblich. In den USA wird man zum x-ten Mal einen "Supermond!" ausrufen, auch wenn wir dieses Plus an Größe nicht erkennen.
So würde ein Betrachter am Mondnordpol zum Finsternismaximum die großteils verdeckte Sonne sehen. In Wirklichkeit erschiene ihm die Erde schwarz
Beobachtungstipps

  • Ab wann erspähen Sie den rauchartigen Halbschatten?
  • Hilft ein Filter (Sonnenbrille, Reflexion, Polfilter ...) dabei?
  • Ist der Halbschatten nahe am Kernschatten ganz leicht gerötet?
    Fototipps

    Die Mondfinsternis lässt sich mit einer DSLR fotografieren, entweder durch ein Teleskop oder aber durch ein möglichst starkes Teleobjektiv. Dazu ist ein Stativ nötig; bitte auch grundsätzliches zur Aufnahmetechnik ohne Teleskop beachten.

    Die Fotografie liefert spätestens bei entsprechender Bildbearbeitung härtere Kontraste als sie das Auge wahrzunehmen vermag: Deshalb zeigt sich der rauchartige Halbschatten fotografisch früher, länger und deutlicher.

    Die Kameraautomatik liefert einen Anhaltspunkt für die Belichtungszeit. Füllt der Mond das Bildfeld nicht aus, tendiert sie allerdings zur Überbelichtung. Am besten, man experimentiert. Wegen der großen Helligkeit des Mondes wird man die Vorverstärkung möglichst niedrig stellen (z.B. ISO 100).

    Wer einen wirklich neutralen Weißabgleich zuwege bringt, mag später auch die fürs freie Auge nicht wahrnehmbaren Farbvariationen der Mondoberfläche heraus arbeiten können. Hier braucht es freilich eine große Brennweite.
      Alle Angaben ohne Gewähr
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