Uranus - Mythologie
Der in Hamburg geborene Johann Elert Bode beobachtete den von Wilhelm Herschel in Bath entdeckten Planeten als erster von deutschem Boden aus.
Er schlug den griechischen Himmelsgott Uranos (in dessen latinisierter Form Uranus) als Namenspatron vor.Übrigens:Der Himmel kann im Griechischen noch immer Uranos genannt werden.Links: Porträt Johann Elert Bodes aus seinem Buch Anleitung zur Kenntniß des Gestirnten Himmels (Berlin 1783)
Der uralte Uranos wurde von den Griechen gleichsam als vergöttlichtes Himmelsgewölbe betrachtet. Seine Mutter und Gegenpart war die Erdgöttin Gaia. Mit ihr zeugte Uranos wahre Riesen: das Göttergeschlecht der Titanen, die einäugigen Kyklopen und die vielarmigen Hekatoncheiren.
Die Kinder des Inzests waren allerdings so schrecklich geraten, dass Uranos sie in der Unterwelt versteckte. Genauer: Im schlimmsten Teil der Unterwelt, dem finsteren Tartaros.
Racheaktion
Gaia hasste ihn dafür und stachelte die Titanen auf, den ungeliebten Beischläfer in einem gedankenverlorenen Augenblick anzugreifen. Der Titan Kronos (römisch: Saturn) griff darauf hin zur Sichel und entmannte den Uranos. Aus dem Blut entsprangen unter anderem die hühnenhaften, schlangenbeinigen Giganten und die rasenden Rachegöttinnen (Erinnyen). Aus dem Samen soll laut Hesiod die Aphrodite (Venus) entstiegen sein.
Natürlich nutzte Kronos nach dieser Tat die Gelegenheit, seine titanenhaften Geschwister aus dem Tartaros zu befreien. Kronos selbst widerfuhr später übrigens ein ähnliches Schicksal: Nachdem er seine eigenen Kinder aus Angst verschlungen hatte, sollte er von seinem Sohn Zeus (Jupiter) schließlich doch kastriert und entmachtet werden.
Logische Folge
Warum wählte Bode ausgerechnet diesen grausamen Uranos als Namengeber für den siebenten Planeten?
Vermutlich, weil dieser außen an den Saturn (griechisch: Kronos) anschloss und zuvor auch verschiedene Saturnmonde nach Titanen benannt worden waren. Saturn wiederum folgte im Raum dem sonnennäheren Jupiter (Zeus). Somit fanden sich die drei aufeinander folgenden Götter(geschlechter) nun auch in räumlicher Anordnung wieder: Außen Uranus (griechisch Uranos), weiter innen dessen Sohn Saturn (Kronos) und noch weiter innen wiederum dessen Sproß Jupiter (Zeus).
Strahlkraft
Das 1789 vom Chemiker Martin Heinrich Klaproth entdeckte Element Uran wurde bereits nach dem Planeten Uranus benannt.
Rechts: Im Granit, aus dem der Sockel des Goethe-Denkmals an der Wiener Ringstraße besteht, steckt vergleichsweise viel Uran. Der Geigerzähler tickt dort etwa sechsmal so rasch wie sonst in der Wiener Innenstadt.
Noch mehr Elementenamen und Himmelskörper
Klaproth entdeckte übrigens nicht nur Uran, sondern auch Zirkonium und Cer. Außerdem bestätigte er Titan, Tellur und Strontium. Das Element Cer wurde nach dem 1801 ins Netz gegangenen Kleinplaneten Ceres benannt, der anfangs noch als Planet gegolten hatte.
Das Element Tellur, dessen Entdeckung 1782 dem Österreichischer Franz Joseph Müller von Reichenstein gelungen war, ist mit Tellus verwoben - dem römischen Gott der Erde.
Links: Klaproths Porträtkopf an der Fassade des Naturhistorischen Museums (NHM) in Wien
Das Element Titan teilt sich den Namen mit dem schon 1655 von Christiaan Huygens gefundenen riesigen Saturnmond.
Später sollte man auch noch die Elemente Neptunium und Plutonium nach dem Planeten Neptun bzw. nach dem Pluto benennen: Letzterer galt im Sprachgebrauch bis 2006 als "Planet". Bei den Elementnamen Helium und Selen standen übrigens der Sonnengott Helios bzw. die Mondgöttin Selene Pate.
Alle Angaben ohne Gewähr