Weihnachtsstern 2020 - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

Dr. Christian Pinter
Beobachtungstipps
Astronomische
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Rendezvous der Planeten Jupiter & Saturn


Jupiter braucht rund 12 Jahre um alle Sternbilder des Tierkreises zu durchwandern, Saturn knapp drei Jahrzehnte. Der raschere Jupiter überholt seinen Planetenkollegen somit alle 20 Jahre. Man spricht dann von der „Großen Konjunktion“ (lat. coniunctio, Verbindung).

Oft wahren die beiden Planeten dabei einigen Respektabstand. So passten beim letzten Treffen im Mai 2000 mehr als zwei Vollmonddurchmesser zwischen die zwei. Ähnlich wird es beim übernächsten Rendezvous im Oktober 2040 sein. Jetzt, im heurigen Dezember, erleben wir hingegen eine äußerst enge Konjunktion. So eng wird es bis 2080 nicht mehr.

Der Jupiter und der ihm folgende Saturn haben die Sommernächte beherrscht und sind jetzt abends zu sehen. Jupiter schob sich zuletzt immer weiter an seinen Planetenkollegen heran. Knapp vor Weihnachten wird er ihn im Sternbild Steinbock überholen. Das geschieht tief über dem Südwesthorizont.

Das enge himmlische Rendezvous ist freilich bloß unserer Perspektive geschuldet. Uns trennen dann etwa 900 Mio. km vom Jupiter. Saturn ist mit 1,6 Milliarden km wesentlich weiter entfernt. Zwischen den beiden Planeten klafft im Raum somit ein Abgrund von mehr als 700 Mio. km.


Der Ablauf der Konjunktion

Ab Anfang November sieht man beide Planeten gleichzeitig im Bildfeld eines Fernglases. Ab Mitte Dezember erblicken wir sie sogar gemeinsam im wesentlich kleineren Feld eines Fernrohrs. Am Abend des 17. Dezember schiebt sich die junge Mondsichel links am Duo vorbei.

Am 21. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende und des astronomischen Winterbeginns, schrumpft der gegenseitige Abstand der beiden Planeten auf 6 Bogenminuten - das ist rund 1/5 des Vollmonddurchmessers! Jupiter ist leichter zu sehen. Der etwa dreieinhalb mal schwächere Saturn weilt knapp rechts oberhalb von ihm.


Selbst beobachten

Mit freiem Auge erblicken wir eine Art „Doppelgestirn“. Nach diesem Tete-a-Tete wächst der Abstand zwischen den beiden Planeten langsam wieder. Sie bleiben über die Weihnachtsfeiertage aber noch im gleichen Fernrohrbildfeld.

Um das Stelldichein mitzuverfolgen, braucht es einen Platz mit freier Sicht bis hinab zum Südwesthorizont: Etwa an dieser Stelle ist zu Winterbeginn kurz nach 16 Uhr die Sonne untergegangen. Während die Abenddämmerung fortschreitet, schält sich zunächst der Jupiter, dann der Saturn aus dem immer dunkler werdenden Himmelsblau.

Die beste Beobachtungszeit ist irgendwann zwischen etwa 16:30 und 17:30 Uhr. Während der Dämmerungshimmel dunkler gerät, wird das Duo zunächst besser sichtbar. Gleichzeitig sinkt es aber noch tiefer zum Horizont hinab. Die Erdatmosphäre schwächt dann das Planetenlicht immer mehr, so dass zunächst der Saturn, dann der Jupiter aus unserem Blick verschwindet.


Jahresausklang

Höher im Südosten glänzt übrigens der leicht rötliche Mars mit ruhigem Schein. Er wird in puncto Helligkeit später vom funkelnden Sirius im Sternbild Großer Hund übertroffen, dem hellsten Fixstern. Wenn zum Jahreswechsel die Sektkorken knallen, weist uns der „Hundsstern“ sehr exakt die Südrichtung. Am vorletzten Tag des Jahres  stellt sich außerdem der Vollmond ein. Seinetwegen dürfen wir mit einer ziemlich „hellen“ Neujahrsnacht rechnen.


Stern von Bethlehem?

Eine Konjunktion von Jupiter und Saturn im Jahr 7 v. Chr. wird vor allem im deutschen Sprachraum gern als Vorlage für den im Matthäus-Evangelium erwähnten Stern von Bethlehem betrachtet. Ob daran etwas dran ist, erfahren Sie in meinem Vortrag "Der Weihnachtsstern 2020". Die aktuellen Termine finden Sie hier.

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