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Mars - Erforschung - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Dr. Christian Pinter
Astronomische
Beobachtungstipps
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Mars - Erforschung
Noch bevor das Fernrohr erfunden war, widmete sich Johannes Kepler dem Mars. Der Däne Tycho Brahe hatte ihn beschworen, gerade diesen Planeten als Prüfstein für die wahre Kosmologie zu wählen. Brahe wollte damit sein eigenes Modell beweisen. Doch Kepler hatte andere Pläne: Mars sollte dem Kopernikanismus zum Siegeszug verhelfen!

Die berechnete Bahn dieses Planeten wich besonders stark von seinem sichtbaren Lauf am Himmel ab. Selbst nach Kopernikus. Das liegt, wie wir heute wissen, am stark elliptischen Charakter des Orbits. Von Merkur abgesehen, weicht keine Planetenbahn so sehr von der idealen Kreisform ab.

Tatsächlich erkannte Kepler 1606 am Beispiel des Mars, dass Planeten eben nicht auf Kreisen, sondern auf Ellipsen um die Sonne ziehen. Diese Erkenntnis wurde später als das erste keplersche Gesetz berühmt.
Die Verbindungslinie Mars-Sonne überstrich dabei, trotz variierender Sonnendistanz, in gleichen Zeiträumen gleiche Flächen: Dies gilt heute als das zweite keplersche Gesetz.
Kepler veröffentlichte beide Entdeckungen 1609 in seinem Buch Astronomia Nova. Darin verglich er seine Arbeit mit einem mühevollen Feldzug gegen den antiken Kriegsgott Mars, den er dem Kaiser nun endlich als hochedlen Gefangenen präsentieren könne.

Galilei richtete sein Teleskop natürlich auch auf Mars. Doch mit dem nur  schwach vergrößernden Instrument konnte er auf dem kleinen Scheibchen keine  Details erkennen.
Diffuse Flecke und "canali"
Italienische Jesuiten erspähten später mit besseren Teleskopen diffuse Flecken. Giovanni Cassini und Christiaan Huygens nutzten die matten Schattierungen, um die Taglänge auf Mars zu bestimmen. Cassini kam 1665 in Bologna auf 24 Stunden und 40 Minuten; der tatsächliche Wert ist nur 3 Minuten kürzer.

1672 sah man in Paris ein weißes Gebilde im tiefsten Süden des Planeten - die Südpolkappe. Später sollte Cassinis Neffe Giacomo Maraldi auch die nördliche Polkappe studieren.

Wilhelm Herschel kürte Mars nach eingehender Beobachtung 1783 zum "verwandtesten" aller Planeten - mit im Sonnenlicht schmelzenden Polen, Wolken und Dunstschleiern.
Johann Heinrich Mädler
1830 visierten die Deutschen Mondkartografen Johann Heinrich Mädler und Wilhelm Beer den roten Planeten an, um gemeinsam die erste detaillierte Marskarte zu erstellen.

Später bemerkten sie einen dunklen Ring um die Nordpolkappe: Ihrer Ansicht nach war dies "Schmelzwasser" des im Frühling zurückweichenden Polareises. Vermeintlich existierte also Wasser an der Oberfläche.
Herschels Sohn John vermutete weite Ozeane in den dunkel anmutenden Gebieten auf Mars. Diese Gebilde wurden auch von anderen Beobachtern als grünlich oder bläulich beschrieben. Allerdings hätte sich die Sonne darin wie in einer Christbaumkugel spiegeln müssen.

Weil das ausblieb, wähnte der Franzose Emmanuel Liais in den Dunkelgebieten lieber Flächen mit Pflanzenbewuchs.
Giovanni Schiaparellis Marskarte von 1890
Die wohl spektakulärsten Marszeichnungen fertige der farbenblinde Giovanni Schiaparelli bei der Marsopposition des Jahres 1877 in Mailand an. An der Auflösungsgrenze seines Teleskops arbeitend, verband sein Auge zarte Flecken zu Linien. Schiaparelli sprach von canali und schloss nicht aus, hier künstliche Bauwerke zu sehen.

Hinzu kamen saisonale Verfärbungen, die andere Astronomen gesehen haben wollten: Die schienen von Vegetation im Wechsel der Jahreszeiten zu erzählen. All das nährte Spekulationen, der rote Planet könnte bewohnt sein.

In seinen populärwissenschaftlichen Büchern griff der französische Astronom Camille Flammarion diese Idee auf. Sein Werk Der Planet Mars beflügelte die Fantasie Percival Lowells: Der reiche Bostoner Geschäftsmann gründete 1894 eine eigene Sternwarte für Marsstudien, und zwar in Flagstaff, Arizona.
Percival Lowells Marskarte von 1905
Bald glaubte Lowell, feine Wasserstraßen zu erkennen. Für ihn waren diese zu Bewässerungszwecken erschaffen worden. 1908 veröffentlichte Lowell das Buch Mars as an Abode of Life (übersetzt etwa: Mars als eine Heimstatt von Leben).
1908 schrieb Lowell das Buch "Mars as an Abode of Life"
Der in Konstantinopel geborene Grieche Eugène Antoniadi musterte den Mars 1909 mit dem leistungsfähigeren Teleskop von Meudon bei Paris. Er erblickte anstatt der canali bloß verwirrende Aneinanderreihungen winziger Flecke. Die Marskanäle waren somit Geschichte.

Allerdings glaubte auch Antoniadi an vegetationsbedingte Veränderungen auf dem Mars. Er verglich das Farbenspiel mit den Verfärbungen irdischer Blätter im Jahreslauf.
Mariner 9 - Foto: NASA
Die letzten Spekulationen endeten, als im Juli 1965 die NASA-Sonde Mariner 4 erste Nahaufnahmen des Mars zur Erde sandte. Sie zeigten eine kahle, tote, kraterzernarbte Welt. Sie ähnelte mehr dem Erdmond als der Erde.

Dieses öde Bild relativierte Mariner 9 sechs Jahre später. Auf den nun besseren Fotos fanden sich erloschene, himmelstürmende Vulkane, extreme Canyons und ausgetrocknete, breite Flussbetten. Die hatten allerdings nichts mit den legenderen canali von Schiaparelli & Co. gemein.
Materialproben vom Mars
Die Oberfläche des Mars lässt sich im Teleskop beobachten, allerdings aus einem Abstand von mehr als 57 Mio. km. In wenigen Zentimetern Distanz können Sie Marsgestein im Naturhistorischen Museum in Wien sehen: In den Vitrinen der Meteoritensammlung finden sich nämlich auch Meteorite vom roten Planeten.

Dazu zählen die Gruppen der Shergottite, Naklithe und Chassignite - gemeinsam kurz SNC-Meteorite genannt. Auf meiner Seite über Marsmeteorite lesen Sie mehr darüber.
Alle Angaben ohne Gewähr!
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