Pluto - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

Dr. Christian Pinter
Beobachtungstipps
Astronomische
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Pluto
Der Pluto wurde 1930 bei einer fotografischen Kampagne entdeckt - und zwar am Lowell-Observatorium in Flagstaff, Arizona. Das Foto zeigt jene Kuppel, unter der die Kamera arbeitete.
Der Fund gelang dem US-Amerikaner Clyde Tombaugh, der immer wieder seine älteren und neueren Fotoplatten der Tierkreisregion mit einem Blinkkomperator verglich. Ein solches Instrument zeigt abwechselnd die eine, dann die andere Platte. Hat sich ein Objekt zwischen den Aufnahmen bewegt, springt dieses scheinbar hin und her.

Das folgende Foto hält den tatsächlich verwendeten Blinkkomperator fest.
Verhasste Gottheit

Benannt wurde die neu entdeckte, ferne Welt nach dem römischen Gott Pluto. Er galt wie sein griechisches Pendent Hades-Plutos als Beherrscher der Unterwelt (röm.: Orcus; griech.: Hades) und war den Menschen verhasst. Die Griechen richteten nur wenige Kultstätten für ihn ein. Auch Hades-Statuen finden sich selten.

Eine Ausnahme bildete der Mysterienkult von Eleusis (Artikel hierzu). Hier gedachte man dem Raub der Demeter-Tochter Persephone (röm.: Proserpina) durch Hades (röm.: Pluto).

Die in die Unterwelt Entführte durfte nach einem Entscheid des Zeus für zwei Drittel eines jeden Jahres Auferstehung aus dem Totenreich feiern - und war dann wieder mit ihrer Mutter Demeter (röm.: Ceres) vereint.

Aus Freude ließ Demeter Pflanzen sprießen und blühen, die, wenn Persephone wieder in den Hades zurückkehrte, welkten. So erklärten sich die Griechen das Zustandekommen der Jahreszeiten - sie kannten anfangs nur drei.

In Erinnerung an den alten Mythos errichtete Augustyn Shöps 1766 den Proserpina-Brunnen am Alten Markt von Posen, Polen. Er zeigt Gott Pluto beim Raub des Mädchens.
Doch kein Planet

Man hatte Anfang des 20. Jh. einen Planeten gesucht. Im Sprachgebrauch wurde der aufgestöberte Pluto dann auch Jahrzehnte lang als "9. Planet" gehandelt. Im Schnitt steht er fast 40 mal weiter von der Sonne ab als die Erde und benötigt 248 Jahre für einen kompletten Umlauf.

Je besser man Pluto beobachten konnte, desto mehr schrumpfte sein mutmaßlicher Durchmesser - was Zweifel an seinem planetaren Charakter nährte. Ab 1992 stieß man in seinem Umfeld dann auf immer mehr weitere, wenngleich noch schmächtigere Objekte. Pluto wirkte nur noch wie ein Zwergenkönig.

2005 veröffentlichten US-Astronomen schließlich die Entdeckung der Eris - eine Welt, die eine ähnliche Dimension wie Pluto besitzt. Man taufte sie nicht zufällig nach der griechischen Göttin der Zwietracht.

2006 beschloss die Internationale Astronomische Union (IAU; siehe Artikel über deren Bedeutung) erstmals eine verbindliche Definition des Planetenbegriffs für Objekte unseres Sonnensystem. Sie war so formuliert, dass Pluto nicht dazu zählte. Vor allem US-Astronomen trauerten "ihrem" 9. Planeten nach.

Die NASA-Sonde New Horizons passierte Pluto Mitte 2015 und sandte erstmals hochauflösende Fotos dieses Himmelskörpers zur Erde (siehe NASA-Website). Diese zeigten eine überraschend komplex aufgebaute Oberfläche, die vor allem aus gefrorenem Stickstoff besteht.

Mehrerel US-Astronomen nahmen diese Komplexität zum Argument, um Pluto doch noch unter die richtigen Planeten reihen zu dürfen. Die IAU blieb jedoch bei ihrem wohlbegründeten Nein.
Pluto selbst sehen?
Pluto gilt heute nur noch als ein mit 2.377 km Durchmesser vergleichsweise groß geratenes Mitglied unter den Transneptunischen Objekten (TNOs).  Er ist auch das einzige transneptunische Objekt, das unter günstigsten Bedingungen visuell, also mit dem Auge am Fernrohrokular, erspäht werden kann.

Mitte Juli 2024 steht Pluto in Opposition zur Sonne. Er weilt dabei im Steinbock. Am 13. und 14. Juli schiebt sich der (viel nähere) Kleinplanet Harmonia (9,1 mag) an ihm vorbei, in einem Abstand von einem Viertel Grad.
So zieht die hellere Harmonia an Pluto vorbei. Die Grafik hält die Situation am 14. Juli um 1 Uhr MESZ fest. Der graue CCD-Rahmen misst 37 x 25 Bogenminuten
Die Harmonia wurde 1856 als erst 40. Kleinplanet von Hermann Goldschmitdt entdeckt. Ihr Name stammt von der griechischen Göttin der Harmonie, die übrigens die nette Schwester der oben erwähnten Zwietrachtsgöttin Eris ist.

Zurück zu Pluto: Bei 14,6 mag Helligkeit bedarf es eines ziemlich großen Amateurfernrohrs mit mindestens 20 cm Öffnung, um ihn visuell zu beobachten. Außerdem braucht man einen absolut dunklen Himmel, wie er wohl nur noch im Gebirge existiert. Man wird hohe Vergrößerungen einsetzen und indirektes Sehen anwenden.

Natürlich ist eine sehr genaue Vergleichskarte nötig, um sicher zu stellen, dass man tatsächlich Pluto erspäht - und nicht einen schwachen Fixstern. Solche Karten lassen sich z.B. mit der Software Guide anfertigen.

Außerdem empfiehlt es sich, Pluto mehrmals ins Visier zu nehmen. Er wandert im Juli von Tag zu Tag um etwa eineinhalb Bogenminuten weiter nach Westen ("rechts"). Diese Bewegung mag ihn verraten. Sie stammt aber primär nicht vom langsamen Pluto selbst, sondern ist eine Widerspiegelung der Erdbewegung.

Die Grafik unten zeigt Plutos Bewegung Mitte Juli 2024. Die Markierungen gelten jeweils für 1 Uhr MESZ des Datums:
Fototipp gefällig?
Mit der Kamera geht es auch hier wieder leichter als mit dem Auge am Teleskop, weil die Fotografie schwache Lichteindrücke während der Belichtungszeit aufsummiert. Das klappt bei punktförmig erscheinenden Objekten sogar in der Großstadt, wenngleich mit Abstrichen. Mein Foto unten belegt dies.

Man bedient sich dabei der Methoden der Deep Sky Fotografie.
Beobachtungsaufgaben
  • Gelingt es Ihnen unter besten Bedingungen Pluto im Teleskop zu erspähen?
  • Können Sie ihn durchs Fernrohr fotografieren?


Alle Angaben ohne Gewähr
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