Mondfinsternis - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Mondfinsternis am frühen Morgen des 21. Jänner 2019
Totale Mondfinsternisse machen sich in nächster Zeit rar. Deshalb sollte man sich dieses Ereignis trotz der unbequemen Uhrzeit nicht entgehen lassen. Der volle Mond tritt am 21.1.2019 um 4:34 mit seinem linken Rand in den Kernschatten der Erde ein. Damit beginnt die partielle Phase.
Immer größere Mondpartien verschwinden nun im Schatten, bis um 5:41 der gesamte Mond darin eingetaucht ist. Nun hat die totale Phase begonnen.

Dennoch wird man die verfinsterte Mondscheibe erspähen – aber nur ganz matt und in düsterstem Rot.
Einst dachten Menschen, ein himmlischer Drache oder Dämon hätte den Mond verschlungen. Dieser schimmere jetzt verwundet und blutig durch den Leib des Unholds hindurch. Johannes Kepler wusste hingegen: Es ist unsere Atmosphäre, die ein wenig Sonnenlicht in den eigentlich dunklen Erdschatten befördert. Der lange Flug durch die Luft schwächt es arg und rötet es.
 
Um 6:12 Uhr tritt die Finsternismitte ein. Der Mond sollte nun am dunkelsten wirken. Seine nördlicher Teil steht dem Kernschattenrand verhältnismäßig nahe. Dort streut die Erdatmosphäre mehr Licht hin als ins Schattenzentrum. Deshalb ist dieser Teil der Mondscheibe auch weniger dunkel als der südliche.
Ein Beobachter auf der erdzugewandten Seite des Mondes würde die Erde nun als schwarze, unbeleuchtete Scheibe erblicken, deren Rand - die Erdatmosphäre - rötlich aufleuchtet.

Aufgrund der sogenannten Irradiation erschiene dieser "Feuerring" seinen Augen dicker, als er tatsächlich ist.
Das Sonnenlicht passiert dabei jene schmale Zone der Erde, in der die Sonne während der totalen Phase gerade auf- bzw. untergeht. Die lokale Bewölkung in dieser Zone bestimmt die Resthelligkeit des Mondes mit. Aber auch die generelle Transparenz der Lufthülle - sie ist nach starken Vulkanausbrüchen vermindert - spielt eine Rolle.
Die totale Phase dauert 62 Minuten. Sie endet um 6:43 MEZ. Ab dann schält sich der Erdbegleiter Stück um Stück aus dem Schatten.

Um 7:52 wird er völlig aus dem Kernschatten austreten - womit das Ende der Partialität erreicht ist - und könnte somit wieder als vertrauter Vollmond strahlen.
Allerdings ist er im Raum Wien Augenblicke vor diesem Zeitpunkt bereits untergegangen. Beobachter weiter im Westen Österreichs finden diesmal bessere Bedingungen vor: Sie sehen den Mond bis zu 25 Minuten länger.

Ein Beobachtungsplatz mit möglichst freier Sicht nach Westen tut Not, zumal der Mond während der ganzen Finsternis nicht allzu hoch steht. Das zeigt auch die folgende Tabelle. Sie nennt Zeitpunkt, Mondhöhe und Mondazimut für die wesentlichsten Phasen. Höhe und Azimut gelten für den Großraum Wien (West = Azimut 270).  
MEZPhaseHöhe °Azimut °
4:33Beginn der partiellen Phase  29268
5:41Beginn der totalen Phase 18280
6:12Mitte der Finsternis 13285
6:43Ende der totalen Phase8290
7:51Ende der partiellen Phase und Monduntergang0302
Die beiden Lichtpunkte rechts des Mondes sind übrigens Pollux und Castor in den Zwillingen. Pollux ist eine Spur heller als Castor.


Beobachtungstipps

Zur Beobachtung reicht das freie Auge aus. Ein Fernglas mag helfen, den verfinsterten Mond leichter zu sehen. Außerdem erleichtert es die Farbwahrnehmung.

Ein Fernrohr ist nur nötig, wenn man mitverfolgen will, wie einzelne Mondkrater im Kernschatten verschwinden und später wieder aus diesem auftauchen. Man strebt eine Genauigkeit von 0,1 Minute an. Das ist eine durchaus reizvolle Aufgabe, hängen die exakten Zeiten doch vom genauen Durchmesser des Erdschattens ab.

Und der ist ein wenig umstritten: Das zeigt sich, wenn man die von verschiedenen Jahrbüchern angegebenen Beginn- und Endzeiten der Totalität miteinander vergleicht. Abweichung im Bereich einer Minute sind da durchaus möglich.


Übrigens: Die Fotos auf dieser Seite entstanden bei früheren Mondfinsternissen. Sie spiegeln den Anblick am 21.1.2019 daher nur bedingt wider.
Beobachtungsaufgaben

  • Wie exakt lässt sich der Beginn der Partialität bestimmen?
  • Wie exakt lassen sich Beginn und Ende der Totalität ermitteln?
  • Wie ist die Mondfarbe zur Mitte der Totalität?
Mein astronomiegeschichtliches Lesebuch Helden des Himmels geht ausführlicher auf die Entstehung von Mondfinsternissen und die damit verbundene Mythologie ein.

Hier ein Artikel aus meiner Feder, der von den Mondfinsternisbeobachtungen des Astronomen Johannes Kepler in Linz erzählt.




Alle Angaben ohne Gewähr

 
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