Saturns Wolkenbänder - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Saturn
Saturns Wolkenbänder
Am irdischen Himmel glänzt Saturn 2017 mit hellem, ruhigen Schein zunächst im Schützen und dann im Schlangenträger. Er hebt sich allerdings nicht besonders hoch über den Horizont - die Luftunruhe  erschwert das Erkennen von Details entsprechend. Am hellsten ist der Planet Mitte Juni, wenn er seinen Höchststand im Süden gegen 1 Uhr MESZ erreicht.

Seiner langsamen Bewegung wegen wurde er im Altertum mit dem griechischen Chronos - er stand unter anderem für das Alter - verbunden. Die ganz leicht gelbliche Tönung ließ an Ackerbau und an das vegetarische Goldene Zeitalter denken, das diese Gottheit den Menschen einst beschert hatte. Wie auch bei den anderen Planeten, erkennt das freie Auge beim Saturn kein nennenswertes Funkeln.
Saturn im Fernrohr
Die Saturnkugel selbst ist etwa halb so groß wie jene des Jupiters. Das Teleskop würde - bei genauer Betrachtung und hoher Vergrößerung - ihre starke Abplattung zeigen. Sie entsteht durch die rasche Rotation des Gasplaneten, der am Äquator immerhin 120 536 km misst. Das ist das  9,4-fache des Erddurchmessers. Allerdings verdeckt Saturns Ringsystem jetzt den südlichsten Abschnitt der Planetenkugel, was das Studium der Abplattung erschwert.
Ohne seinen Ringschmuck und seine Monde wäre Saturn ein langweiliger Planet. Hier ist der Anblick seiner Kugel simuliert - mit Guide 9.0. Man erkennt die beiden matten Bänder zu beiden Seiten des Äquators und die ebenfalls etwas dunkleren Polgebiete.
Aus himmelsmechanischen Gründen blicken wir etwa alle 15 Jahre auf die schmale Kante des Ringsystems. Das erleichtert dann die Beobachtung der Wolkenstrukturen.
Die rasche Rotation ist auch der Grund für die Entstehung der Wolkenbänder, die am ehesten nördlich und südlich des Äquators zu erblicken sind. Saturn empfängt ob seiner größeren Distanz allerdings deutlich weniger Sonnenwärme als Jupiter.
Das ist letztlich auch der Grund, warum seine Wolkenstrukturen viel weniger Kontraste zeigen. Man muss schon genau schauen, um sie zu erspähren.

Alle Fotos © Pinter
Auch die beiden Polgebiete sind etwas dunkler als die Äquatorzone. Das südliche wird zur Zeit aber vom Ring verdeckt.
Dennoch sind sie für Überraschungen gut. So begann sich Ende 2010 ein mächtiger Sturm im Norden Saturns  abzuzeichnen: Zwei helle Wolken zierten damals seine Stirn. Das Foto vom 2. April 2011 hält sie eindeutig fest (damals noch aufgenommen mit der ToU-Webcam).
Versuche mit Filtern
Farbfilter kosten dem schwachen Saturn oft zuviel Licht, um sinnvoll eingesetzt zu werden. In leistungsstärkeren Instrumenten hilft zuweilen ein Gelb- (z.B. Wratten Nr. 12), Gelbgrün- (z.B. Wratten Nr. 11) oder leichtes Blaufilter (z.B. Wratten Nr. 82A). Das vierteilige Meade Filterset 1,25 Zoll (12, 23A, 58, 80) beinhaltet Filter, die man zur Beobachtung von Venus, Mars, Jupiter und Saturn einsetzen kann. Omegon bietet ein sechsteiliges Set (Wratten Nr. 21, 25, 82, 12, 56, 47).
Aufgrund des in den nächsten Jahren stets niedrigen Stands des Saturn am Himmel treten selbst im besten Teleskop störende Farbsäume auf. Der Grund: Die Atmosphäre bricht blaues Licht etwas stärker als rotes - man spricht von "atmosphärischer Dispersion". Abhilfe mag das Einschalten zweier Prismen in den Strahlengang schaffen, z.B. mit diesem optischen Zusatzgerät.  Ich habe es allerdings noch nicht selbst ausprobiert.

Bei der fotografischen Bildbearbeitung kann entsprechende Software (Registax) diese Dispersion zum Teil wieder wegrechnen, wie die Illustration vom 10.6.2016 zeigt.

Beim oberen Foto wurde der Saturn ohne mathematische Dispersionskorrektur geschärft, beim unteren habe ich diese Korrektur vor der Schärfung angewandt.


Beobachtungsaufgaben
Nehmen Sie Saturns leicht gelbliche Tönung mit freiem Auge wahr?  Lässt Sie diese an den Mythos vom "Goldenen" Zeitalter denken, mit dem die Griechen und Römer ihren Gott Chronos bzw. Saturn verbanden? Bringt  ein Fernglas die Farbe besser zur Geltung? Sehen Sie Saturns Abplattung im Fernrohr? Bemerken Sie Details wie das  dunkle nördliche Äquatorialband und das nördliche Polgebiet? Nehmen Sie vielleicht sogar Farbschattierungen auf der Planetenkugel wahr, speziell mit größeren Teleskopen?
Literatur für Planetenbeobachter
Planeten beobachten
Von Günther D. Roth. Ein  etwas älteres, aber äußerst vorzügliches Werk für alle, die Planeten im Teleskop  studieren möchten! Gebraucht kaufen und Versandkosten beachten.

Sonne, Mond, Planeten beobachten und  fotografieren
Ein neueres Buch zu oben genanntem Themenkreis, das sich  u.a. auch der digitalen Fotografie mit Webcams widmet.
Folgenreiche Erkenntnisse
Mein Buch Helden des Himmels geht sehr ausführlich auf die philosophischen und religiösen Implikationen der  Galileischen Beobachtungen ein.

Ich lege es Ihnen ganz besonders ans Herz.
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