Jupiters Wolkenbänder - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Jupiter
Jupiter und seine Wolkenbänder
Jupiter gleißt am Firmament. Kein anderer himmlischer Lichtpunkt ist derart hell - sieht man von der Venus (bis März 2017 am Abendhimmel, ab April am Morgenhimmel) ab. Wir finden den Jupiter in der Jungfrau, oberhalb von deren Hauptstern Spica. Am 5. und 6. April schiebt er sich eng am Stern Theta Virginis vorbei. Ein Teleskop zeigt dann den Fixstern, den Jupiter und dessen Monde im selben Gesichtsfeld!

Am 7. April gelangt Jupiter in Opposition: Die Erde steht im Raum dann genau zwischen ihm und der Sonne. Um diese Zeit schrumpft seine Erddistanz auf 666 Mio. km.

Links: Jupiter am 28.2.2017
Sein Durchmesser wächst im Fernrohr auf 44 Bogensekunden. Um Jupiter im Teleskop so groß zu sehen, wie den Vollmond mit freiem Auge, muss man dann bloß 40-fach vergrößern. Das schaffen selbst kleine Fernrohre.

Abseits des Oppositionstermins sind die geometrischen Bedingungen ungünstiger. Dennoch ist der Planet von Februar bis in den Juni hinein ein besonders lohnendes Beobachtungsobjekt.
Galilei und Jupiter
Der erste Planet, den Galilei mit seinem verbesserten Teleskop ordentlich beobachten konnte, war der Jupiter. Er gleißte im Winter 1609/10 im Sternbild Stier. Galilei durfte seinen Anblick mit dem anderer heller Sterne im Himmelsstier oder im Orion vergleichen. Fixsterne wären "etwas Glänzendes, das ringsum Strahlen aussendet und funkelt", schrieb er im Sternenboten. Sie erschienen im wesentlichen punktförmig, wenngleich von starkem Schimmer umgeben: "Der Gesichtswinkel wird nicht von dem eigentlichen Körperchen des Sterns bestimmt, sondern von dem Glanz, der es breit umgibt".
Hingegen sah er Jupiter als kleine Kugel, "vollkommen rund und wie mit dem  Zirkel gezogen". Sein Anblick erinnerte an eine verkleinerte Version unseres  Vollmonds. Tatsächlich muss Galilei selbst mit seinem stärksten Teleskop den  Jupiter immer noch etwas kleiner erblickt haben als den Mond mit freiem  Auge. (Links: So muss Galilei den Jupiter gesehen haben)
Mit seinem nur 30-fach vergrößernden Sehglas war es ihm auch nicht möglich,  irgendwelche Details auf dem Planetenscheibchen zu erkennen. Selbst die starke  Abplattung des Jupiter entging ihm: Der raschen Rotation von knapp zehn Stunden  wegen ist der Äquatordurchmesser um sieben Prozent größer als der  Poldurchmesser. Wer weiß: Vielleicht nahm Galilei dieses Phänomen zwar wahr,  interpretierte es aber als optischen Fehler seines Teleskops.
Bei den Babyloniern, den Griechen und den Römern repräsentierte dieses  Gestirn die höchstrangigen Gottheiten Marduk, Zeus bzw. Jupiter. Darauf spielte  Galilei an, als er diesen Planeten in seinem Sternenboten als das "edelste"  aller Gestirne bezeichnete. (Links: So sieht Jupiter in einem sehr kleinen, modernen Teleskop aus).
Tatsächlich ist Jupiter nach der Sonne der mächtigste Himmelskörper im ganzen Sonnensystem. Im Durchmesser übertrifft er die Erde elfmal, an Masse gleich um das 318-fache. Würde man ihn zerlegen, könnte man die anderen Planeten mit seiner Materie noch ein zweites und ein drittes Mal erschaffen.

Übrigens: Die erste Bestimmung der Rotationszeit Jupiters gelang Giovanni Cassini ab 1663 in Bologna, als er mit einem 1,5 Meter langen Teleskop des römischen Instrumentenbauers Giuseppe Campani Flecken auf dem Planeten erspähte. Cassinis kam auf 9 Stunden 50 Minuten. Tatsächlich dauert ein Tag auf Jupiter nur sechs Minuten länger. Später, in Paris, erkannte Cassini dann auch die abgeplattete Form der Jupiterkugel.
Jupiter selbst beobachten
Schon mit freiem Auge fällt der farblose, überaus ruhige Glanz Jupiters auf. Das Fernglas lässt seine Scheibchenform erkennen.

Im Amateurfernrohr wird die Abplattung deutlich. Es zeigt außerdem Details, bei denen es sich allerdings nicht um Phänomene der Jupiteroberfläche, sondern  um atmosphärische Strukturen handelt - um Wolkenbänder, die parallel zum Äquator  liegen.
So präsentierte sich Jupiter am 21.4.2016.

Die Bildbearbeitung deckt feinste Strukturen in den Wolkenbändern auf, die dem Auge selbst im großen Amateurteleskop verborgen bleiben.
Man erkennt ein Spiel aus dunkleren Bändern und helleren Zonen. Prominent sind normalerweise die beiden Bänder beiderseits des Äquators und die beiden ebenfalls dunkleren Polargebiete. Vor allem der Anblick der Äquatorialbänder kann von einer Beobachtungssaison zur nächsten deutlich variieren.
Je nach Fernrohrleistung macht man in den Bändern Einzelheiten aus, sieht zusätzliche Bänder oder den berühmten Großen Roten Fleck  (GRF). Allerdings sind alle Details auf Jupiter ziemlich blass. Sie treten nicht so  kontrastreich hervor, wie auf obiger Grafik.
Ihr Anblick ähnelt eher dem Foto links, speziell dann, wenn Sie dieses aus ein paar Metern Abstand betrachten.  Ein Blau- (z.B. Wratten Nr. 80A) oder ein Grünfilter (z.B. Wratten Nr. 56) steigert den Kontrast zwischen den hellen Zonen und den dunklen Bändern.
Tipp: Das vierteilige Meade Filterset 1,25 Zoll (12, 23A, 58, 80) beinhaltet Filter, die man zur Beobachtung von Venus, Mars, Jupiter und Saturn einsetzen kann. Omegon bietet ein sechsteiliges Set (Wratten Nr. 21, 25, 82, 12, 56, 47).  
Überhaupt sind Kontrast und Farbsättigung auf praktisch allen Jupiterfotos übersteigert. Das macht man freilich nicht, um den Betrachter zu täuschen - vielmehr möchte man so Details herausarbeiten, die dem Auge verborgen bleiben. Näheres über die moderne Aufnahmetechnik erfahren Sie in meiner Fotogalerie.
Beobachtungsaufgaben
Ab welcher Vergrößerung erkennen Sie den abgeplatteten Umriss Jupiters? Fallen  Ihnen Wolkenbänder beiderseits des Äquators auf? Erspähen Sie weitere Details innerhalb von Wolkenbändern? Machen sich die dunkleren Polgebiete bemerkbar? Sehen Sie im größeren Teleskop nicht bloß Grautöne, sondern auch Farbnuancierungen?
Lesen Sie hier über Jupiters Großen Roten Fleck und über seine vier großen, hellen Monde.
Literatur für Planetenbeobachter
Planeten beobachten
Von Günther D. Roth. Ein  etwas älteres, aber äußerst vorzügliches Werk für alle, die Planeten im Teleskop  studieren möchten! Gebraucht kaufen und Versandkosten beachten.

Sonne, Mond, Planeten beobachten und  fotografieren
Ein neueres Buch zu oben genanntem Themenkreis, das sich  u.a. auch der digitalen Fotografie mit Webcams widmet.
Folgenreiche Erkenntnisse
Mein Buch Helden des Himmels geht sehr ausführlich auf die philosophischen und religiösen Implikationen der Galileischen Beobachtungen ein.

Ich lege es Ihnen ganz besonders ans Herz.
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